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  • Kritik: Freche Version von "Gefährliche Liebschaften"

    Eigentlich ist der amerikanische Film "Eiskalte Engel" eine glatte Unverschämtheit. Denn der junge Drehbuchautor Roger Kumble präsentiert nicht nur einen literarischen Klassiker, den 1782 erschienenen Briefroman "Gefährliche Liebschaften" von Choderlos de Laclos, in einer restlos aktualisierten Leinwand-Version.

    Kumble hat auch die Stirn, bei seinem Regiedebüt drei vorhergegangene Verfilmungen des faszinierenden Stoffes um den Sittenverfall des Pariser Adels eine höchst eigenwillige vierte hinzuzufügen.

    Gewiss macht er damit nicht Stephen Frears' Meisterwerk von 1989 mit Glenn Close, John Malkovich und Michelle Pfeiffer vergessen. Doch Kumble sucht und findet durchaus eine eigene Handschrift, das zynische Zusammenspiel der rachsüchtigen Marquise de Merteuil und des abgebrühten Verführers Vicomte de Valmont im Lebensstil und vor den Kulissen unserer Gegenwart zu inszenieren. Nur heißen seine Filmfiguren eben Kathryn Merteuil und Sebastian Valmont, und zu sehen sind nicht französische Paläste, sondern luxuriöse Wohnungen in den teuersten Wohntürmen Manhattans.

    Noch immer aber geht es darum, ein unschuldiges Mädchen in die Sünde zu locken: Als Opfer auserkoren wird die niedliche Blondine Annette Hargrove, die ein öffentliches Keuschheitsgelübde abgelegt hat. Knacken will das der erfolgreichste Verführer an der High-School, eben jener Sebastian Valmont. Die Wette gilt, sagt seine abgrundtief verdorbene Stiefschwester Kathryn Merteuil, die nebenbei Sebastian noch mit der Rache an ihrer Nebenbuhlerin Cecile beauftragt. Hält Sebastian Wort, winkt ihm eine Nacht mit Kathryn, der einzigen Schönen, die er bislang noch nicht ins Bett zerren konnte.

    So nimmt das Schicksal, das manchmal zum Verhängnis wird, seinen Lauf. Wie das böse Spiel von Sebastian und Kathryn ausgeht, sei nicht verraten. Die jungen Schauspieler um Ryan Philippe als Verführer, die dunkle Sarah Michelle Gellar als intrigante Rächerin und Reese Witherspoon als Unschuldige mit Widerhaken bringen Frische und eine manchmal hart an der Grenze des Komischen entlangschrammende Unbefangenheit in ihre Rollen. Kumble macht Kino mit Teenies für Teenies aus einem uralten Stoff. Darüber kann man mit guten Gründen entsetzt sein, man kann es sich aber durchaus auch mit einer Mischung aus Belustigung und Respekt vor so viel Respektlosigkeit ansehen.

    Wolfgang Hübner, AP

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