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  • Kritik: Frauenliebe im Nazi-Deutschland

    Tanz auf dem Vulkan im Berlin der Jahre 1943/44: Während die Alliierten die Hauptstadt mit Bombenangriffen in Schutt und Asche legen, fließt im noblen Hotel Adlon der Sekt in Strömen. Es wird ausgelassen gefeiert, doch die Stimmung ist spannungsgeladen.

    In seinem Kinodebüt "Aimée Jaguar" schildert der deutsche Autor und Regisseur Max Färberböck ("Bella Block") die authentische, tragische Liebesgeschichte zwischen der biederen Hausfrau Lilly Wust (Juliane Köhler) und der lebenslustigen Untergrundkämpferin Felice Schragenheim (Maria Schrader) im kriegszerstörten Berlin.

    Lilly Wust ist Ende zwanzig. Während ihr Mann Günther (Detlev Buck) an der Ostfront kämpft, hütet die Mutterkreuz-Trägerin ihre vier quirligen Söhne. Als einzige Abwechslung in diesem braven, bürgerlichen Hausfrauen-Dasein leistet sie sich gelegentliche Affären. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sie bei einem Konzertbesuch die attraktive, geheimnisvolle Felice Schragenheim kennenlernt.

    Hinter dem heißblütigen Liebesbrief von "Jaguar" vermutet sie zunächst einen männlichen Verehrer. Doch die Zeilen stammen von Felice, die als Jüdin aktiv im Widerstand kämpft und "Aimée" eine faszinierende, völlig neue Welt eröffnet. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine intensive Liebesbeziehung, die sie mitten in Nazideutschland ganz offen ausleben. Lilly läßt sich von ihrem Mann scheiden und nimmt Felice in ihre Wohnung auf. Dort holt die Frauen bald die brutale Wirklichkeit ein. Als sie an einem heißen Sommertag von der Havel nach Hause kommen, erwartet sie in der Wohnung die Gestapo.

    Die Vorlage zu "Aimée Jaguar" lieferte der gleichnamige Bestseller von Erica Fischer, der in elf Sprachen übersetzt wurde. Gemeinsam mit der britischen Autorin Rona Munro ("Ladybird, Ladybird") hat Max Färberböck aus den Gedichten, Briefen und Tagebuch-Aufzeichnungen der heute 85jährigen Lilly Wust eine fiktive Geschichte entwickelt.

    Mit "Aimée Jaguar" ist Max Färberböck großes Schauspielerkino gelungen, das die beiden Frauen in ihrer ganzen Komplexität mit allen Widersprüchen zeigt. Der Film, für den Max Färberböck im Januar bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises bereits den Regie-Preis erhielt, wird die 49. Internationalen Filmfestspiele in Berlin am 10. Februar 1999 offiziell eröffnen. "Wir haben uns entschieden, den Film in Berlin zu zeigen, weil er dort hingehört", sagt Max Färberböck. "Ich habe das Drehbuch 800 Meter vom Zoo-Palast entfernt geschrieben."

    Birgit Heidsiek, dpa

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