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  • Kritik: Französischer Film "Haben (oder nicht)"

    Frankfurt/M (AP) Mit ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm "Haben (oder nicht)" ist der 29jährigen Regisseurin Laetitia Masson die beeindruckende Verfilmung einer eigentlich ganz alltäglichen Geschichte gelungen, eine Geschichte, die von der Sehnsucht nach Liebe und Verwirklichung von Kindheitsträumen handelt. Die Französin zeigt in ihrem Film, daß zwar Mut zur Liebe gehört und man sich keine Sicherheit erhoffen kann, daß aber gerade das tiefe Gefühl zueinander das Leben erst lebenswert macht. Der Film läuft am 16. Januar bundesweit an und war auf der Berlinale 1996 einer der Publikumslieblinge.

    Zwei Orte, zwei Menschen, zwei Schicksale: In Boulogne-sur-Mer verliert die junge Alice ihren Job als Arbeiterin in einer Fischfabrik. Zunächst ratlos, erkennt sie bald, daß dies auch die Chance für einen Neuanfang ist. Sie packt ihre Sachen, verläßt ihren Freund und geht nach Lyon. Dort flüchtet aus Einsamkeit und Verzweiflung der Bauarbeiter Bruno zu seinem Freund Joseph, einem lebensfrohen jungendlichen Marokkaner, der Nachtportier im Hotel Ideal ist. Die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit führt Alice geradewegs dorthin. Vom ersten Augenblick an fühlt sie sich zu Bruno hingezogen. Auch er kann sich ihr kaum entziehen, doch beide haben Angst, enttäuscht zu werden und ihre Gefühle zu offenbaren.

    Zunächst konfrontiert Masson den Zuschauer mit nüchternen Bildern und führt ihm den frustierenden, grauen Alltag der französischen Provinzstadt Boulogne-sur-Mer vor Augen. Doch mit dem wagemutigen Aufbruch von Alice in die Großstadt spürt auch der Zuschauer, daß eine Wende in ihrem Leben bevorsteht.

    Die Regisseurin unterzieht ihr Publikum einem Wechselbad der Gefühle. Dabei baut Masson mit eindringlichen Dialogen und Bildfolgen ein Spannungsfeld auf, das den Betrachter ganz in seinen Bann zieht. Der Zuschauer leidet, hofft mit Alice und Bruno und wird schließlich nachdenklich und aufgewühlt in die Kälte der Welt entlassen.

    Die Hauptdarsteller Sandrine Kiberlain in der Rolle von Alice und Arnaud Giovaninetti als Bruno sind als Filmpaar ideal besetzt. Sie beeindrucken mit ihrer natürlichen, sympathischen Ausstrahlung. Beide Darsteller stellen durch die glaubwürdige Verkörperung ihrer eigenwilligen Charaktere großes schauspielerisches Talent unter Beweis, dem der Betrachter gerne wiederbegegnen würde.

    Feingefühl zeigt die Regisseurin auch bei der Wahl der Filmusik: Die Rolle von Alice wird durch Lieder von Marianne Faithful und P.J. Harvey untermalt. Szenen mit Bruno und Josef sind vor allem von der Musik des marokkanischen Popsängers Cheb Mami geprägt, die den Funken überspringen läßt.

    Der Debütfilm Massons überzeugt durch die gelungene Umsetzung ihres Hauptinteresses, der, wie sie sagt, "Verbindung zwischen den eigenen Gefühlen und der Welt um uns herum". Die eigenwillige Regisseurin sieht das Publikum nicht als alleinigen Maßstab fürs Filmen, sondern handelt nach der Devise: "Mach deinen Film so, wie du es für richtig hälst. Wenn es gut ist, wird dir das Publikum schon folgen."

    Von AP-Mitarbeiterin Caroline Nees

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