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  • Kritik: Französische Verfilmung von Yukio Mishimas Roman

    Gefühle zulassen, aber zugleich versuchen, sie zu kontrollieren, dieser Zwiespalt kennzeichnet die Beziehung zwischen der 43jährigen Dominique und dem 20jährigen Quentin. Die französische Liebesgeschichte "L'ecole de la chair" war offizieller Wettbewerbsbeitrag bei den 98er Filmfestspielen in Cannes und startet unter dem Titel "Schule des Begehrens" am kommenden Donnerstag, 4. Februar, auch in den deutschen Kinos.

    Die erfolgreiche, unabhängige Managerin Dominique entdeckt den gutaussehenden, geheimnisvollen jungen Mann in einer Schwulen- und Transvestitenkneipe. Seit diesem Augenblick ist es um sie geschehen. Sie veranlaßt ihn, seinen Job als Barkeeper aufzugeben und zu ihr zu ziehen. Quentin wird von ihr eingekleidet und läßt sich von ihr aushalten. Aber so sehr Dominique versucht, ihre Gefühle zurückzuhalten, so wenig gelingt es ihr. Quentin verhält sich ihr gegenüber gefühllos und rüpelhaft, aus Angst, verletzt und alleingelassen zu werden.

    Die anfangs von sexueller Anziehungskraft dominierte Beziehung tritt bald in eine neue Phase. Quentin beginnt zu vertrauen, kann aber nicht von seinem alten Leben lassen und fühlt sich zunehmend als Marionette, nutzlos im goldenen Käfig. Die von Eifersucht geplagte Dominique stochert mißtrauisch in seiner Vergangenheit, will alles über ihn wissen. Doch statt Klarheit und Frieden zu gewinnen, ist sie hin- und hergerissen zwischen Stolz, Selbstaufgabe und Sehnsucht nach dem Geliebten. Als Quentin nach einer Affäre mit einem jungen Mädchen endlich seine wahren Gefühle erkennt und zuläßt, ist es zu spät.

    Regisseur Benoit Jacquot hat sich für diesen Film die Romanvorlage von Yukio Mishima vorgenommen. Darin wird das Frauenleben im Japan der Nachkriegszeit dokumentiert. Jacquot überträgt die Geschichte ins heutige Frankreich. Dabei setzt er japanische Akzente in Anlehnung an das Original. So arbeitet Dominique für einen japanischen Modeschöpfer, bewohnt ein nüchternes Appartement japanischen Stils mit kalligrapischen Ornamenten und trifft sich mit Quentin in einem japanischen Restaurant.

    Jacquot greift auch die von Mishima vertauschten Geschlechterrollen auf. Fast meint man, autobiographische Züge zu erkennen, wenn Isabelle Huppert als starke und doch so verletzliche Karrierefrau in Szene tritt. Dominique übernimmt den männlichen Part in der Beziehung. Als erfolgsverwöhnte Geschäftsfrau ergreift sie die Initiative und läßt nach einer anfänglichen gefühlsmäßigen Schwäche Vernunft und Verstand siegen. Ihr wesentlich jüngerer Geliebter hingegen ist gefühlsmäßig und finanziell von ihr und als Gelegenheitsstricher auch von einem Exliebhaber abhängig.

    In Chabrols Verfilmung "Madame Bovary" verkörpert die zierliche Französin eine zerbrechliche Frau, die von der Liebe getötet wird. Als Dominique überlebt sie die Liebe. Eine Narbe bleibt, doch am Ende findet sie zu sich selbst zurück und nimmt ihr altes Leben wieder auf.

    Ihr Filmpartner Vincent Martinez hat die Rolle des Quentin durch Zufall erhalten und dürfte sich mit diesem glänzenden schauspielerischen Debüt auf Anhieb einen festen Platz in der Filmbranche gesichert haben. Frankreichs Macho Vincent Lindon überrascht diesmal als hinreißender Transvestit, der aus Liebe und Eifersucht besorgt das Leben von Quentin verfolgt.

    Benoit Jacquot hat mit "Schule des Begehrens" eine bewegende Liebesgeschichte zwischen zwei höchst unterschiedlichen Personen inszeniert, die sehr wohl einen Preis verdient hätte. Dessen ungeachtet ist der Film als gelungene Übertragung der japanischen Vorlage ins moderne Frankreich und durch das hervorragende Spiel der Hauptdarsteller unbedingt sehenswert.

    Caroline Nees, AP

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