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  • Kritik: Franco Zeffirelli verfilmte Bronte-Roman "Jane Eyre"

    Hamburg (AP) Armes Mädchen trifft reichen Mann, es gibt ein paar Verwirrungen, am Ende kriegen sie einander, und alles wird gut. Das ist die Handlung von "Jane Eyre" im wesentlichen. Es kommt dazu: Die grüne nebelverhangene englische Landschaft, ein Schloß, Kostüme und Requisiten aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts und ein paar großartige Schauspieler wie William Hurt, Charlotte Gainsbourg, Geraldine Chaplin und Joan Plowright. Nach diesem Rezept hat Regisseur Franco Zeffirelli eine Verfilmung des Klassikers von Charlotte Bronte auf die Beine gestellt. Trotz träger Handlung ist der Film vor allem wegen der Kraft der Darsteller gut anzuschauen.

    Jane Eyre (Charlotte Gainsbourg) ist ein Waisenkind, das schlimme Jahre in einem Mädchenheim erlebt, wohin die böse Tante sie abgeschoben hat. Ihr Zeichentalent hilft ihr über die ungerechten Zurückweisungen durch die Lehrer. Herangewachsen zur Frau geht sie selbst als Privatlehrerin auf das Schloß Thornfield (!) Hall. Dort findet sie Ruhe in der Erziehung der kleinen Adele und der Freundschaft der Wirtschafterin Mrs. Fairfax (Joan Plowright).

    Hausherr ist der ruppige, aber gutherzige Rochester (William Hurt). Jane fühlt sich zu dem geheimnisvollen Mann hingezogen, aber er quält sie, indem er vor ihren Augen ein dümmliches Mädchen aus der Gesellschaft anflirtet (Elle MacPherson). Jane verreist, nach ihrer Rückkehr ist Rochester verwandelt, er will sie heiraten. Dann das Drama bei der Trauung: Ein Anwalt stürzt in die Kirche und behauptet, Rochester sei schon verheiratet. Der Bräutigam gibt es zu und führt die ganze Gesellschaft in den hintersten Trakt seines Schlosses, wo er seine schöne aber verrückte Ehefrau (Maria Schneider) versteckt hält.

    Dann kommt der Action-Teil: Jane packt ihre Klamotten und verschwindet, die verrückte Ehefrau zündet das Schloß an, Rochester will sie aus den Flammen retten und wird dabei blind, die Ehefrau stirbt. Action zu Ende.

    Jane erbt derweil in der Fremde einen Haufen Geld, hört aber in den Bäumen die Stimme von Rochester und fährt noch einmal zum Schloß, das mittlerweile eine Ruine ist. Rochester lebt dort in einem düsteren Keller, was aber nicht so schlimm ist, weil er ja sowieso nichts sieht. Jane bleibt bei ihm, und nach allem, was man ahnen kann, lebten sie glücklich für den Rest ihrer Tage.

    Eigentlich sorgt nur eines dafür, daß diese teilweise hanebüchene Geschichte nicht in die Persiflage kippt: Die ungemeine Präsenz und Kraft der Schauspieler, vor allem der schönen Gainsbourg und von William Hurt, der mit seinem Gesicht mehr zeigen kann als viele Hollywood-Kollegen mit ihren ganzen getrimmten Körpern.

    Von AP-Korrespondent Claus-Peter Tiemann

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