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  • Kritik: François Ozons zweiter Film über den Tod

    Berlin. Romain macht das Sterben ganz mit sich allein aus. «Ich glaube, niemand will es wissen», sagt der 30-Jährige. Der Modefotograf hat kurz zuvor erfahren, dass er an einem Hirntumor leidet und nur noch kurze Zeit zu leben hat.

    Nach «Unter dem Sand» mit Charlotte Rampling macht der französische Regisseur François Ozon («8 Frauen», «Swimming Pool») erneut Trauer und Tod zum Thema eines Films. Ob es wie geplant eine Trilogie wird, lässt Ozon allerdings offen. Der dritte und letzte Teil sollte eigentlich vom Tod eines Kindes handeln. «Ich weiß noch nicht, wie ich diese Geschichte erzählen soll», sagt Ozon. «Vielleicht irgendwann.»

    Romain, gespielt von Melvil Poupaud, ist kein sympathischer Mensch. Er ist arrogant, überheblich, egoistisch und ein bisschen brutal. Nach der Diagnose macht er ohne Angabe von Gründen Schluss mit seinem Freund. Auch seinen Eltern und seiner Schwester sagt er nicht, dass er bald sterben wird. Zu sehr scheinen ihm alle Familienmitglieder mit sich selbst beschäftigt zu sein. Einzig zu seiner Großmutter hat er Vertrauen. Diese von Jeanne Moreau eindrucksvoll verkörperte, lebenssatte und erfahrene Frau hat keine Angst vor der Beschäftigung mit dem Tod. Doch auch sie kann Romain letztlich nicht helfen. Er bleibt mit seinem Leben und Sterben allein.

    Immer wieder lässt Ozon Erinnerungen aus der Kindheit an Romains Auge vorbeiziehen. Diese Welt von damals ist noch heil, glücklich und voller Verheißungen. Die Schwester ist noch eine Freundin und nicht wie heute ein Hassobjekt, die Eltern respektierte, geliebte Menschen. Ein Trost in einer Welt, die für Romain völlig aus den Fugen geraten ist. Immer wieder zeigt Ozon symbolhafte Bilder des Verfalls, des Verlustes und der Trauer: verwelkende Blumen, Regen, ein entwurzelter Baum.

    Stark ist der Film immer dann, wenn Ozon seinem Hauptdarsteller ganz nahe kommt. Dann ist die unglaubliche Angst dieses Mannes vor dem Verlust der Kontrolle zu spüren, seine Furcht vor Nähe und seine Vorbehalte, sich einem anderen Menschen zu öffnen. «Ich bin kein netter Mensch», sagt Romain an einer Stelle. Dass es genau darum gar nicht geht, dass begreift der Verzweifelte irgendwann.

    Ozon setzt bewusst wenig Musik ein, auch mit Dialogszenen geht er dieses Mal sparsam um. Doch seine Bilder sprechen für sich. Kurz vor seinem Tod zieht sich Romain völlig zurück von der Welt. Er fährt ans Meer, wirft sein Handy auf den Müll und setzt sich mitten unter die sonnenbadenden Urlauber. Ein schmerzlicher Moment. Dennoch: Erstmals lächelt der Todkranke. Romain verhilft schließlich einem ungewollt kinderlosen Paar zu Nachwuchs. Das ist ein ziemlich moralischer Schluss, der dann glücklicherweise nur noch angedeutet wird.

    dpa

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