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  • Kritik: Forman bringt eine vergessene Legende auf die Leinwand

    Der Schauspieler Jim Carrey, in Hollywood lange Zeit auf das Image des Komikers festgelegt, brilliert in Milos Formans neuem Film "Der Mondmann" mit einer ebenso feinsinnigen wie faszinierenden Charakterstudie.

    Er verkörpert Andy Kaufmann, einen außerhalb der USA wenig bekannten Komiker, der bis zu seinem Tod im Jahre 1984 die amerikanische Öffentlichkeit verwirrte. In den 70er Jahren war Kaufmann einer der erfolgreichsten Entertainer der USA, gleichzeitig geliebt und gehasst.

    Die Spezialität des Komikers war ein verstörender Witz, der für viele Zuschauer oft die Grenzen des guten Geschmacks überschritt. So rief er beispielsweise Kämpfe im Wrestling, einer Form des Ringkampfs, aus. Das Besondere: Kaufmann trat nur gegen Frauen an. Derjenigen, die ihn besiegen würde, versprach er einen hohen Geldbetrag. Mit dieser Aktion zog er den Unmut vieler Feministinnen auf sich. Auch liebte er es, Publikumsbeschimpfungen zu inszenieren. Oder er verstörte ein Auditorium, indem er stundenlang aus dem Roman "Der große Gatsby" vorlas.

    Kaufmann kann als ein intelligenter Vorläufer der heute im Fernsehen oft anzutreffenden Schmuddel- und Krawallkomiker gelten. Außergewöhnlich war bei ihm, dass die Grenzen zwischen Kunst und Leben völlig fließend waren. Als er an Krebs erkrankte, glaubten viele, er mache nur einen schlechten Scherz. Selbst sein Tod wurde von einem Großteil des Publikums lange für eine Inszenierung gehalten.

    Der Regisseur Milos Forman hat keinen geradlinigen biografischen Film gedreht. Zwar hält er sich an Stationen aus Kaufmanns Leben, doch dient ihm die widersprüchliche Figur vor allem als Anlass zu einer subtilen Auseinandersetzung mit den Auswüchsen des Showgeschäfts. Das ist nach Formans Sicht Spiegel allgemeiner gesellschaftlicher Entwicklungen.

    Neben der formalen Brillanz des Films fesselt vor allem das überaus differenzierte Spiel des Hauptdarstellers Carrey. Er zieht alle Register seines Könnens, bietet Slapstick und reinen Ulk ebenso gekonnt wie hintergründige Momentaufnahmen einer überaus komplizierten Persönlichkeit. Wie schon in Peter Weirs Meisterwerk "Die Truman-Show" (1998) hat Carrey darüber hinaus Momente von wirklich herzergreifender Menschlichkeit.

    Insbesondere im Zusammenspiel mit Courtney Love als Kaufmanns Lebensgefährtin Lynne Margulies erreicht der Darsteller packende Präsenz. Manche Zuschauer dürften die Liebesszenen des Duos zu Tränen rühren. Dabei gleitet der Film nie ins Sentimentale ab. Immer kurz vor der Rührseligkeit sorgen satirische Streiflichter für entspanntes Lachen, sogar noch in den Szenen um Kaufmanns Leiden und seinen Tod.

    Peter Claus, dpa

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