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  • Kritik: Floskeln für die MTVGeneration

    Coach Carter, im gleichnamigen Sportlerdrama Basketballtrainer an einer kalifornischen High School, ist sich sicher: Krawatten machen seine Schüler zu besseren Menschen. Deshalb lässt er sie an Spieltagen mit Binder erscheinen.

    Auch sonst hat er seine eigenen Vorstellungen und Methoden. Seine Spieler müssen ihn mit «Sir» anreden und werden auch selbst so tituliert - vorausgesetzt, sie genießen seinen Respekt. Für jedes Widerwort oder Zuspätkommen bestraft er sie mit hunderten Liegestützen.

    Sein Ziel ist, es aus den Jungs disziplinierte und respektable Männer zu machen. «Nur wenn sie es in der Sporthalle schaffen, schaffen sie es auch da draußen», philosophiert er - Floskeln für die MTV-Generation. Der Musiksender MTV hat den Film auch mitproduziert.

    Samuel L. Jackson («Star Wars», «Shaft») spielt den Trainer in dem Film, der sich auf eine Begebenheit aus dem Jahr 1999 bezieht. Der Coach übernimmt das Team an einer heruntergekommenen Schule, die er früher selbst besuchte. Zu Beginn sind die Schüler völlig undiszipliniert, streiten sich ständig und sind dazu auch noch schlechte Sportler. Mit harter Hand führt sie Coach Carter dann zwar bald von Sieg zu Sieg, ihre schulischen Leistungen lassen jedoch zu wünschen übrig. Also hängt er ein Vorhängeschloss an die Sporthalle und schickt seine Schützlinge in die Bibliothek, damit sie statt ihrer Muskeln ihre Hirnzellen trainieren.

    Das passt allerdings den Eltern und der Schulleitung gar nicht - schließlich hat Schulsport und der sportliche Vergleich mit anderen Schulen in den USA einen großen Stellenwert. Sportstipendien sind oft die einzige Weg für Kinder aus sozial schwachen Schichten, ein teures Studium aufzunehmen. Kurzerhand werden daher Carters Anordnungen zurückgenommen, und die Sporthalle wird wieder geöffnet. Die Schüler erkennen jedoch, dass Carter nur ihr Bestes will und schlagen sich auf die Seite ihres Coachs. Aus Solidarität tragen sie ihre Schulbänke aufs Spielfeld und demonstrieren so ihren Lerneifer.

    Dies sollte wohl die bewegendste Szene des Films werden, erinnert aber stark an die berühmte Schlussszene aus «Der Club der toten Dichter» (USA 1989) und verblasst gleichzeitig dagegen. Denn trotz gewohnt souveräner Leistung von Jackson kann der Film kaum berühren. Zu platt sind die Sinnsprüche und zu undramatisch bleibt der Spannungsbogen. Außerdem hat es Regisseur Thomas Carter, der neben zahlreichen Fernsehserien unter anderem das Tanzdrama «Save the last dance» (2001) drehte, nicht geschafft, die weitgehend unbekannten Jungschauspieler über sich hinaus wachsen zu lassen.

    dpa

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