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  • Kritik: Filmphänomen "Bleep" breitet sich aus

    Ein Film wird abgedreht, produziert, beworben, kommt in die Kinos - und hält sich dann eben so lange, wie es die Publikumsgunst für die Kinobesitzer rentabel macht. So jedenfalls sieht die normale Karriere eines Streifens aus. Ganz anders läuft es mit "Bleep", oder im ganzen Titel "What the bleep do we know?" (etwa: "Was zum *** wissen wir eigentlich?"). Vor gut einem Jahr startete der Film mit gerade einmal fünf Kopien in Deutschland - derzeit läuft er in rund 30 Kinos, und mehr als 100 000 Besucher haben ihn schon gesehen. Damit toppt er in der Relation Zuschauer pro Filmkopie selbst große Blockbuster - und das ohne jeden Werbeaufwand.

    In den letzten Tagen hat "Bleep" auch das Capitol-Kino in Mainz und das Scala Wied in Neitersen im Westerwald erreicht, weitere Kinos der Region werden in Kürze folgen, vom 9. März an etwa das Koblenzer Odeon: Was also ist dran an dieser ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte? In aller Kürze: Nicht allzuviel. Auf 108 mitunter recht langen Minuten entspinnen eine Reihe von Interviewpartnern ein Geflecht um Neurologie, Biochemie, Quantenphysik und gut getarnter Spiritualität. Ausgangspunkt der Interviews sind ein paar wesentliche Grundfragen der Menschheit : Wo kommen wir her, wo gehen wir hin und warum sind wir auf der Welt?

    Die Antwort gibt der Film erst nach einer ziemlich haarsträubenden Rahmenhandlung, in der eine taube Fotografin (gespielt von der Oscar-Preisträgerin Marlee Matlin) von tiefer Depression zu neuem Lebensmut gelangt. Und siehe da, die Quintessenz des Filmes lautet: "Du bist Gott". Und das ist zufällig auch die Hauptthese, die eine blonde Frau vertritt, die überproportional häufig in diesem Film auftritt. Es handelt sich um JZ Knight, und ihre Rolle in der amerikanischen New-Age-Szene verschweigt der Film geflissentlich: Die Amerikanerin sieht sich als "Channel", eine Art Medium, des Kriegers Ramtha. Dieser spricht durch sie und lehrt seine Weltanschauung - und ist nach Angaben der guten Frau bereits vor 30 000 Jahren verstorben. Noch Fragen?

    Dabei hätte "Bleep" - das Wort steht für das Piepen, mit dem amerikanische Sender unliebsame Schimpfworte übertönt - mehr sein können als Propaganda für eine spirituelle Bewegung. Viele der Wissenschaftler, die in den Interviews zu Wort kommen, haben sich auf ihren Gebieten einen Namen gemacht und lehren an anerkannten Universitäten. Andere wiederum predigen Thesen wie jene, dass Wasser unter dem Einfluss von bloßen Gedanken seine Struktur verändert - ob dieser obskure Abzweig der Handlung im Westerwald-Programmkino Scala Wied einen findigen Geschäftemacher dazu brachte, am Rande einer Vorführung seinen Wassersprudler zu präsentieren?

    Viele Gedanken des Films sind es wert, umfassend weiter- oder, wenn möglich, zu Ende gedacht zu werden. Denn gerade in unserer von Logik dominierten westlichen Welt sind viele Menschen verunsichert, welche Rolle sie im Gespinst der Kraftfelder und makronuklearer Theorien spielen. Vielleicht kann "Bleep" hier zum Nachdenken anregen - auch ohne gedankenhöriges Wasser und tote Krieger. Claus Ambrosius

    Claus Ambrosius

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