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  • Kritik: Filmbiographie "Oscar Wilde" - Stephen Fry und Jude Law mit grandiosen Leistungen

    Frankfurt/M (AP) "Ich habe mein ganzes Genie in mein Leben gesteckt, in meine Werke nur mein Talent." Das Leben eines Mannes zu verfilmen, der diesen stolzen Satz hinterlassen hat, kann eigentlich nur scheitern. Doch im Gegensatz zu Oscar Wilde, der trotz allen Talents und allen Genies noch in der Blüte seiner Jahre scheiterte, ist seine Filmbiographie ein erstaunlich gelungenes Lebensbild, das mit dem beleibten Riesen Stephen Fry in der Titelrolle ideal, ja gewiß unübertrefflich besetzt ist.

    Wieder hat der britische Film dem europäischen Kino ein Werk geschenkt, das die meisten der aktuellen Hollywood-Produktionen als fade Materialschlachten erscheinen läßt. Aber das liegt natürlich auch in dem faszinierenden Helden des Films begründet, dem 1900 nur 46jährig gestorbenen irischen Schriftsteller und Dramatiker Oscar Wilde. Was vereinigte sich alles in dieser Persönlichkeit: Ehemann einer schönen Frau und homosexueller Liebhaber hübscher Jungmänner, treusorgender Vater und hochnäsiger Snob, Liebling der Bühne und Verfemter der Gesellschaft. Kein Mensch hält solche Spannungen aus, auch den genialen Iren hat das Übermaß der ihm eigenen Widersprüche in Elend und frühen Tod stürzen lassen.

    In dem intelligenten Bilderbogen, den Regisseur Brian Gilbert mit Geschmack und dramaturgischem Geschick inszeniert hat, werden Licht und Dunkelheit eines außergewöhnlichen Lebens gezeigt. Doch im Mittelpunkt des Films steht die Geschichte einer verzehrenden sexuellen Leidenschaft: Oscar Wildes Affäre mit dem blendend aussehenden, charakterlich jedoch abgründigen Lord Alfred Douglas, genannt "Bosie".

    Der junge Jude Law, der so sehr an Luchino Viscontis Lieblingsschauspieler Helmut Berger erinnert, verkörpert diesen "Bosie" beklemmend. Was sich zwischen ihm und Wilde an Tragik und Sinneslust abspielt, ist eine der bewegenden Liebesgeschichten der Leinwand. Das ist ja keineswegs selbstverständlich, wenn es sich dabei um die Amour zwischen zwei Männern handelt. Erst recht nicht selbstverständlich ist die, bei Wahrung einer gewissen Diskretion, sehr offenherzige Darstellung von Sex zwischen Männern. Himmelweit weg ist diese britische Produktion damit von den erotischen Verklemmtheiten im gegenwärtigen Hollywood.

    Die undankbarste Rolle in "Oscar Wilde" hat Jennifer Ehle inne, die Wildes Ehefrau Constance darstellt. Doch die blonde Ehle spielt so beseelt und eindrücklich, daß sich der Zuschauer sicherlich auf viele weitere Begegnungen im Kino mit ihr freuen kann. Wunderbar souverän auch die große Vanessa Redgrave als Wildes Mutter. Es ist nur zu hoffen, daß dieser rundum gelungene Film auch hierzulande sein Publikum findet und nicht untergeht auf dem im Herbst 1997 äußerst übersättigten Markt der bewegten Bilder.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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