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  • Kritik: Film zum neuen chinesischen Materialismus

    Nach aufwendigen Filmen wie "Lebewohl meine Konkubine" oder "Verführerischer Mond" hat Regisseur Chen Kaige das historische China verlassen. Mit "Xiaos Weg" sucht er nun Anschluss an das moderne China, in dem sich Traditionen und westliche Einflüsse gegenüber stehen.

    In Peking soll sich der 13-jährige Xiao (Tang Yun) auf seine Karriere als Geiger vorbereiten. So will es sein Vater (Liu Peiqi). Aus der Provinz ist er mit dem Jungen in die Großstadt gezogen, bereit zu jedem Opfer und entschlossen, den besten Lehrer zu finden. Xiao allerdings erlebt die Metropole nicht mit dem Tunnelblick des vom Erfolg besessenen Wunderkindes, sondern mit den Augen des Heranwachsenden. Beeindruckt von einer Metropole voller Handys und Luxusfrauen, wie er sie bisher nur aus Magazinen kannte.

    "Geistige Dürre des modernen Lebens"

    Schon bei der Ankunft im Flughafen fasziniert ihn Lili (gespielt von Kaiges Ehefrau Chen Hong). Lili ist ein Material Girl mit zahlungskräftiger Kundschaft und entwickelt ein Faible für den jungen Geiger. Sie ist die Verkörperung eines seelenlosen Materialismus, und Xiaos Musik füllt einen Teil der Leere in ihrem exklusiven Leben.

    Chen Kaige nennt es die "geistige Dürre des modernen Lebens", mit der sich auch sein Protagonist auseinander zu setzen hat. Dazu gehört, dass über Erfolg nicht Talent sondern Status entscheidet und dass auch ein Wunderkind Beziehungen braucht. Der bohemienhaft verwahrloste Professor Jiang (Wang Zhiwen) ist ein hervorragender Lehrer. Doch Xiaos Vater hält es für opportuner, seinen Sohn dem weltmännischen Professor Yu anzuvertrauen. In der Rolle des fragwürdigen Machers und Vermarkters junger Virtuosen tritt der Regisseur höchstpersönlich auf.

    Musik und junger Hauptdarsteller tragen den Film

    Das Schönste an diesem Film ist die Musik. Und das Beste daran ist die Gelassenheit seines jungen Hauptdarstellers Tang Yun, der auch ein begabter Geiger ist. Xiaos Weg, der die Selbstfindung eines Jungen im aufgestörten Wertekanon beschreibt, ist jedoch von Klischees begleitet. Kaige, so scheint es, ist in seiner Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Umbrüchen noch nicht so recht im China der jüngsten Filmemacher-Generation angekommen. Da ist er nicht annähernd so souverän wie sein 13-jähriger Protagonist, dessen Instinkt für künstlerische Integrität auch von den neureichen Pin-Ups der neuen Pekinger Konsum-Elite nicht betäubt wird.

    Chinesischer Starregisseur im kreativen Tief?

    Mit "Xiaos Weg" kommt zum zweiten Mal ein eher enttäuschender Film des chinesischen Starregisseurs in die Kinos. Chen Kaige, international gefeiert für seine kunstvoll inszenierten historischen Stoffe, konnte bereits mit seiner ersten englischen Produktion nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Der Beziehungs-Thriller "Killing Me Softly" ging unter. Und auch der Nachfolger scheint nun eher auf ein kreatives Tief zu schließen. "Xiaos Weg" scheint aus eben jenem kulturellen Vakuum entstanden zu sein, das sich im Konflikt zwischen den Versuchungen des Westens und den Traditionen manifestiert.

    Ricarda Schrader, dpa

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