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  • Kritik: Film über Sex, Mord und Einsamkeit

    Einsamkeit in der Ehe, Belästigungen auf Single- Parties, Anrufbeantworter als Freundschaftsersatz - die unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit ist tragisches Leitmotiv im Kinofilm "Solo für Klarinette".

    Kommissar Kominka alias Götz George irrt zusammen mit Filmpartnerin Corinna Harfouch durch einen erbarmungslosen Großstadtdschungel aus Kriminalität, Egoismus und Gewalt. Schon zur Einleitung läßt Regisseur Nico Hofmann seinen Kommissar verzweifelt sagen: "Diese Zeit ist ohne Hoffnung, ohne Offenheit, ohne Liebe." Schon im Vorfeld hatte der Thriller aus der Produktion von Regina Ziegler durch freizügige Sexszenen für Aufregung gesorgt. Am Donnerstag (15.10.) kommt er in die Kinos.

    Hauptdarsteller Götz George gefiel an dem Film vor allem das Drehbuch. Geschrieben hat es die New Yorker Psychoanalytikerin Elsa Lewin. "Es hat mich gereizt, diesen Charakter zu entwickeln: Einen Polizisten, einsam und sprachlos geworden, der von seinem Beruf in einen Abgrund getrieben wird", sagte er. Berührt habe ihn auch "die wunderbar traurige, fast aussichtslose Liebesgeschichte" des Buches. "'Solo für Klarinette' ist ein Melodram", charakterisierte Regisseur Hofmann die Geschichte. "Wir wollten den Egoismus und die Anonymität des Großstadtlebens in allen Facetten zeigen".

    Die kontroversen Nackt- und Sexszenen, die die Produktion vor einigen Wochen in den Geruch der Pornographie brachte, zeigten Liebe in all ihren Extremformen, betonte Hofmann. "Sex dient den Hauptfiguren als Ventil für seelische Verletzungen und Haltlosigkeit." George spiele den Großstadtdesperado in seiner ganzen Zerrissenheit. "Kominka kämpft mit seinen seelischen Verwundungen, seiner eigenen Brutalität. Damit schockt er die Zuschauer auch einige Male."

    Um diese Charakterstudie spinnt sich eine dramatische Handlung. Bei der Aufklärung eines grausigen Mordes in einer schäbigen Berliner Mietskaserne lernt Kommissar Kominka die unnahbare Anna Weller kennen. Obwohl die verletzlich und gehetzt wirkende Frau zum Kreis der Verdächtigen gehört, verliebt sich Kominka in sie. In den folgenden Wochen geht neben der Polizeikarriere des labilen Polizisten auch seine Ehe kaputt.

    Der mysteriöse Mordfall entwirrt sich nach einigen falschen Spuren und schließlich macht Anna ihrem Anrufbeantworter ein Geständnis. Kominka hört mit, beruhigt seine Freundin und erklärt ihr seine Liebe. Wenig später nimmt sich die Mörderin, krank vor Angst, mit Kominkas Dienstwaffe das Leben. Ihren Beschützer überläßt sie seinem gebrochenen Schicksal. "Wenn ich könnte, würde ich mein Leben verschenken" hatte sie ihm vorher einmal anvertraut. "Kennst Du jemanden, der eins brauchen kann?"

    George und Harfouch waren Hofmanns Wunschbesetzung. "Wenn Götz George Vertrauen hat, kann er sich total fallenlassen", meinte Hofmann, "und dann ist er gut". Ursprünglich sollte der Film in New York gedreht werden. Brennende Mülltonnen, triste Häuserblocks und regenschwarze Straßen spiegeln düster die trostlose, anonyme Großstadt. "Berlin kann dämonisch sein, diese Stadt gibt alles her und hält alles aus. Sie ist prädestiniert für diesen Film" findet der Berliner Schauspieler. "Meist brauchten wir kaum Kulissen, um wilde Ecken darzustellen" sagt auch sein Regisseur. Nach seiner Ansicht paßt die Geschichte nicht nur gut in diese Stadt, sondern auch in diese Zeit. "Sex, Liebe und die alles beherrschende Einsamkeit: Das ist so aktuell wie nie.

    Anette Hornung, dpa

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