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  • Kritik: Film über legendäre Disco ohne Rythmus

    Das "Studio 54" war einer der berühmtesten Clubs der Welt. Es steht als grell leuchtendes Symbol der späten 70er Jahre für legendäre Parties, Drogenexzesse, wilden Sex und hemmungslose Exzentrik. Nicht nur Verehrer der Seventies haben mit Spannung auf den Film über New Yorks strahlende Nobel-Disco gewartet. Auf großformatigen Plakaten verspricht die Werbeagentur Jung von Matt seit Wochen "die ganze Party". Allein - das "Studio 54" auf Zelluloid hält nicht ansatzweise, was die Poster zum Film versprechen.

    Aus all den Möglichkeiten, die Geschichte des "Studio 54" zu erzählen, hat Regisseur Mark Christopher die konventionellste gewählt. Er läßt den smarten Shane (Ryan Phillipe, "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast") als einen Mitarbeiter der Disco seine tollen Jahre im "Studio 54" erzählen. Herausgekommen ist so ein kreuzbiederer Film, der auch im Zucken des Discofiebers in der ehemaligen Lasterhöhle vergeblich nach seinem Rhythmus sucht.

    Andy Warhol tanzte im "Studio 54", Liza Minnelli, Mick Jagger, Calvin Klein, Karl Lagerfeld und Liz Taylor. Legendär sind die drängenden Menschenmassen vor den roten Samtkordeln der Clubtür, die exaltierte Garderobe und die Parties mit Truman Capote oder Elton John. Ende der 70er Jahre war Aids ein Fremdwort, der Konsum von Drogen gehörte in New York quasi zum guten Ton. All das wird im Film angerissen, ohne aufregend zu wirken, berührt, ohne sinnlich zu sein.

    Wer ins "Studio 54" eingelassen wurde, erlebte eine einzige Party, einen Rausch ohne Ende. Nur die Filmplakate verdichten auf sechs Motiven provozierend, was dann im Film zerfasert. Das überdrehte Outfit, die Party in der Damentoilette, die halbmeterlange Koksspur, frustrierte Abgewiesene, Sternchen mit Lust auf Karriere und Sex auf offener Strecke. Stattdessen wählt der Film als roten Faden den Aufbau des ebenso hübschen wie blassen Shane zu einer Art "All american hero". Der naive Junge aus der Vorstadt wird schließlich Bartender - einer der gefragtesten Jobs der Zeit in New York.

    Der Club-Besitzer, Steve Rubell, war eine Legende. Seine Einlaßphilosophie: "Es ist, wie einen Salat zu mixen - Models, Aktienhändler, Feuerwehrleute, Künstler, alles rein, außer Schlägern und professionellen Nutten und Leuten wie mir." In schwarzen Müllsäcken wurden die eingenommenen Dollars weggeschafft. Rubells laxer Umgang mit der Steuer wird dem "Studio 54" zum Verhängnis.

    Zwei Jahre und neun Monate nach der Eröffnung war Schluß: Die Steuerfahndung griff mit einer Razzia durch, Rubell (hervorragend: Mike Myers, "Waynes World") wanderte ins Gefängnis. Jahre später versuchte er nochmals sein Glück, doch die Luft war schal geworden im "Studio 54". Glanz, Glitter und Glamour der 70er Jahre ließen sich nicht in die kühlen 80er übertragen. Rubell starb im Sommer 1989.

    "Studio 54" steht in einer ganzen Reihe von aktuellen Filmen über die grellbunten 70er Jahre. Musik und Stil der Zeit sind unvergessen. Chic und Diana Ross, Rose Royce, Ashford Simpson, Stars on 45 und Destination stehen mit fetten Bläsersätzen und Rhythmen noch heute für Party pur. Nur in der verspiegelten Filmbar des "Studio 54", zwischen seinen Stahltreppen und auf der Glitterbühne will der Glamour der Zeit nicht so recht wieder aufleuchten.

    Martin Bialecki, dpa

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