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  • Kritik: Film ohne Lackschicht:

    Am 23. Mai 1989 wurde zwischen Hannover und Wolfsburg die Leiche des 23jährigen Karl Koch gefunden. Ob sich der Unglückliche selbst gerichtet hat, wie die Behörden ermittelten, oder ob ihn der KGB, vielleicht gar frühere Freunde aus der Hacker-Szene umgebracht haben, ist nie völlig geklärt worden.

    Der Fall erregte seinerzeit großes Aufsehen, zumal Koch in einen spektakulären Spionagefall verwickelt war. Der Film

    Der 33jährige deutsche Regisseur Hans-Christian Schmid hat aus der tristen Geschichte die bedrückende Kinostudie eines Jünglings geformt, der an sich und seiner Zeit gescheitert ist. Schmids Film zeigt einen aus wohlhabenden, aber stark gestörten Verhältnissen stammenden Karl Koch, dessen Glauben an bestimmte Verschwörungstheorien zur Manie wird. Besonders der Science-Fiction-Roman "Illuminatus!", in denen der amerikanische Autor Robert Anton Wilson der Zahl 23 magische Bedeutung gibt, beeinflußt das Weltbild des offenbar verzweifelt nach Orientierung suchenden Computerfreaks.

    Über Geld verfügt Koch nach dem Tod des gehaßten Vaters reichlich. Daran läßt er allerdings zu viele falsche Freunde teilhaben. Nur in dem jungen Hacker David findet Karl einen echten Freund. Die beiden kommen in Kontakt mit dem verkrachten Programmierer Lupo und dessen halbseidenen Freund Pepe, der mit Kokain dealt. Aus sehr unterschiedlichen Motiven nimmt das Quartett Kontakt mit dem sowjetischen Geheimdienst auf. Denn den Hackern gelingt es, sogar im Rechnersystem der Nasa zu "wildern". Das bringt ihnen Geld, aber auch die Polizei auf den Hals, und es kommt zum Prozeß, in dem der geständige Koch als Kronzeuge auftritt.

    Der aus dem bayerischen Wallfahrtsort Altötting stammende Schmid hat 1996 mit "Nach Fünf im Urwald" ein bemerkenswertes Filmdebüt und mit Franka Potente ein sehr verheißungsvolles Gesicht auf der Leinwand präsentiert. Auch der Berliner August Diehl, 22jähriger Darsteller des Karl Koch, stand erstmals vor der Kamera. Seine traurige Besessenheit, sein sensibles Spiel überzeugen in einem Film, bei dem nicht so recht klar wird, wen er eigentlich interessieren könnte. Es gibt keine Figur, mit der sich der Zuschauer identifizieren könnte, es gibt keine Hoffnung, aber viel Verzweiflung.

    Die achtziger Jahre, in denen die Handlung spielt, schildert Schmid als Zeit der Ängste und Bedrohungen. Aber das ist gewiß nur die eine Seite der Medaille. Und so ist der Betrachter doch etwas zerrissen beim Ansehen von "23": Einerseits Bewunderung dafür, daß Schmid es wagt, aus solch sprödem, schwermütigen Stoff einen unterhaltsamen Spielfilm zu machen, andererseits gerät dem Regisseur vielleicht gerade deshalb alles so düster und geradezu einschüchternd ernst. Es muß wahrlich nicht immer Komödie sein, aber Humor und Ironie sollten auch nicht gleich völlig verbannt werden. Es wäre schade, wenn deshalb die Zuschauer ausblieben.

    Wolfgang Hübner, AP

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