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  • Kritik: Fetziger Musikfilm mit neuer Optik:

    Hamburg (dpa) - Der deutsche Film hatte Katja von Garnier schon viel zu verdanken, als sie noch Studentin war: Mit ihrem Übungsfilm "Abgeschminkt" landete die heute 30jährige Regisseurin 1993 einen Überraschungshit, der die Welle der Beziehungskomödien ins Rollen brachte. Nach drei Jahren Funkstille kommt jetzt ihr neues Werk in die Kinos, und wieder setzt Garnier Maßstäbe: "Bandits" ist ein Musikfilm mit fetziger Musik, tollen Darstellern und einer ganz eigenen Optik.

    Obwohl Schnitte und Bildersprache deutlich von Musikvideos beeinflußt sind, ist der neue Streifen weder oberflächlich noch einseitig. "Das Neue hier ist die Kombination von dramatischen Elementen und Musik", sagt Katja von Garnier im dpa-Gespräch. "Schwerpunkt ist die Entwicklung der Charaktere."

    Die äußere Story ist schnell erzählt: Vier Frauen gründen im Knast eine Band und flüchten bei erster Gelegenheit. Während Polizei und Medien hinter ihnen her sind, gewinnen die "Bandits" Popularität und schließlich fast Kultcharakter. "Das Entscheidende ist aber die innere Geschichte", sind sich Garnier und Hauptdarstellerin Katja Riemann einig. "Es ist eine Geschichte über Freundschaft, und über das Lernen voneinander. Es ist auch eine Heldengeschichte", schildert Katja Riemann. Nach der Flucht, bei der sie nur die Gunst der Stunde genutzt hätten, seien plötzlich vier Leute in Freiheit, die gar nicht miteinander flüchten wollten.

    Die vier Frauen haben Kämpfe zu bestehen, ihre gegensätzlichen Charaktere prallen hart aufeinander. Über ihre Rolle als spröde Emma sagt Katja Riemann: "Emma macht aus: eine ungeheure Ruhe und Zurückgenommenheit - und die Qualität, erst zu denken und dann zu handeln". Das wütende, aggressive Straßenkind Luna (Jasmin Tabatabai), dem der Polizeijargon "geringe Frustrationstoleranz" bescheinigt, ist der Gegenpol. Sie löst Probleme stets mit Gewalt. "In Wahrheit bin ich'n Weichei", sagt Tabatabai lachend. "Bei der Ohrfeigen-Szene mußte ich voll heulen. Ich bin noch nie so ins Gesicht geschlagen worden."

    Die anderen beiden sind sanft: Nicolette Krebitz verkörpert als Angel ein 22jähriges naives, aber nicht unsympathisches Dummchen, das wegen Heiratsschwindels im Knast sitzt. Der frühere Defa-Star Jutta Hoffmann als Marie ist altersmäßig sowas wie die Mutter der Truppe, aber versponnen, labil und selbstmordgefährdet. Ein Mann kommt auch vor: Das Quartett nimmt auf der Flucht einen Mann als Geisel (Boss- Model Werner Schreyer), der prompt mit zwei der Mädels Affären anfängt. "Wie prüft man eine Freundschaft?" fragt Garnier. "Der Mann als Unruhestifter zwischen den Frauen ließ sich halt gut einbauen."

    Die Musik ist für das Quartett Ventil zum Dampfablassen und die Brücke zueinander. Die Songs wurden von den Darstellerinnen selbst geschrieben, der Großteil von Jasmin Tabatabai, die lange Zeit in einer Band spielte. "Über die Musik haben wir uns total viele Gedanken gemacht", erzählt sie. "Es mußte irgendwie trashig klingen, mit kaputtem Unterbau, aber gleichzeitig liebevoll." Vom Soundtrack werden zwei Titel als Singles ausgekoppelt, Videoclip und Buch zum Film sind auch schon fertig - die Vermarktung ihrer Filme managt Garnier genauso clever wie ihre Filmprojekte selbst.

    Die Polizei unter dem machohaften Chefermittler Hannes Jaenicke stellt sich im Film reichlich dumm an, kriegt die Mädels aber am Ende doch. Deren letzter Song bei einem spektakulären letzten Auftritt auf einem Hausdach am Hamburger Hafen heißt denn auch "Don't forget to catch me".

    Von Fatina Keilani, dpa

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