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  • Kritik: Feinfühlig:

    Ergriffen beugt sich der Komiker Paul (Steffen Wink) über das tote Tiefkühlhuhn, das er als seinen besten Freund betrauert. Doch die Reaktion des Testpublikums auf diese Comedy- Nummer ist eher verhalten. Um seinen alten Kumpel aus dieser peinlichen Situation zu retten, springt Alex (Frank Giering) auf die Bühne und lockert mit ein paar flotten Sprüchen die angespannte Atmosphäre wieder auf.

    In ihrem Regiedebüt "Der Himmel kann warten" schildert die deutsche Regisseurin und Autorin Brigitte Müller mit leisem Humor die Geschichte von zwei ungleichen Freunde, die beide von einer großen Karriere als Komiker träumen.

    Mit dieser einfühlsamen Hommage an die Freundschaft eroberte die Regisseurin auf dem Filmfest in Braunschweig sofort die Herzen der Zuschauer, die ihrem Film dort den auf 20.000 Mark dotierten "Heinrich"-Nachwuchspreis verliehen. "Freundschaft ist mein Thema", gesteht Brigitte Müller, die bereits als Fernsehautorin Erfolgs- Serien wie "Freunde fürs Leben" und "Für alle Fälle Stefanie" verfasste. Die Inspiration zu "Der Himmel kann warten" lieferte ihr ein Radio-Beitrag.

    "Dort hörte ich die Geschichte eines reichen alten Herren, der sich gewünscht hatte, dass an seinem Grab ein Clown für ihn spielt. Dieses Bild ließ mich nicht mehr los", erzählt die Regisseurin. Anhand dieser Grundidee begann sie, eine tragikomische Geschichte über zwei junge Stand-Up-Komiker zu entwickeln, die sich für die Endausscheidung bei einem Talentwettbewerb qualifizieren. Zunächst sprang kein Produzent auf dieses Projekt an, zumal die Newcomerin darauf bestand, selbst die Regie zu übernehmen.

    "Catherine Flemming hatte ich bereits beim Schreiben für die weibliche Hauptrolle vor Augen", berichtet Brigitte Müller. Die deutsche Nachwuchs-Schauspielerin zeigte sich von dem Drehbuch so begeistert, dass sie es der Münchner Produktionsfirma Sam Film schickte. Die beiden Jung-Produzenten Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton griffen sofort zu und verwandten ihre ganze Energie darauf, dieses Filmprojekt auf die Leinwand zu bringen. "Sie haben eineinhalb Jahre dafür gekämpft, denn es war nicht einfach, die Finanzierung für den Film zusammenzubekommen", erläutert die Regisseurin.

    In Frank Giering fand sie die Ideal-Besetzung für den Part des introvertierten Alex, der seit seiner Kindheit unter einer Krebserkrankung leidet. Als schwieriger erwies es sich, einen Darsteller für seinen naiv-fröhlichen Freund Paul zu finden. "Wir suchten einen Schauspieler, der keine Scheu hat, mit überdrehtem, kindlichen Humor aus sich herauszugehen." An dieser Exaltiertheit scheitert zunächst auch seine tragikomische Huhn-Nummer. Um seinem Freund zu helfen, fährt Alex nach Los Angeles, wo er Pauls großes Komiker-Vorbild Rob Patterson (Simon Prescott) aufspürt. Ein guter Komödiant, so lehrt ihn der Profi, braucht nicht nur Talent und Technik, sondern muss auch echte Trauer empfinden können.

    In ihrem bemerkenswerten Regiedebüt entführt Brigitte Müller die Zuschauer mit Charme, Witz und treffsicheren Dialogen auf einen heiter-melancholischen Trip in die Welt der Stand-Up-Comedy. In subtilen Zwischentönen schildert sie Sehnsüchte und Verzweiflung eines junges Mannes, der seine Träume nicht mehr verwirklichen kann. Dabei verzichtet sie auf die übliche "Coolness" klassischer Buddy- Movies und gesteht ihren Leinwandhelden stattdessen zu, Emotionen und Schwächen zu zeigen. "Wenn ich eine traurige Szene schreibe, fange ich dabei selbst an zu heulen", bekennt die Autorin, die mit dieser berührenden Tragikomödie mitten ins Herz trifft.

    Birgit Heidsiek, dpa

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