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  • Kritik: Faszinierendes RetroAbenteuer

    Es ist schon vieles einzigartig an dem Film, der unter dem recht sperrigen Originaltitel «Sky Captain and the World of Tomorrow» in die deutschen Kinos kommt. Ein spektakuläres Abenteuer, das in den 30er Jahren spielt und so aussieht, als wäre es auch damals gedreht worden.

    Eine Millionen-Produktion, in der Stars wie Jude Law, Gwyneth Paltrow oder Angelina Jolie die ganze Zeit nur vor einer blauen Wand spielten und später in digitale Welten eingepflanzt wurden. Das Werk eines Outsiders, der Hollywood mit seinen Visionen und einer Mischung aus Indiana Jones und Fritz Langs «Metropolis» im Sturm eroberte.

    Im Jahr 1939 ist die Welt in Aufruhr. Einer nach dem anderen verschwinden berühmte Wissenschaftler - und gigantische Stahlroboter tauchen überall auf der Welt auf. Sie stehlen Rohstoffe und Maschinen und verschwinden in unbekannter Richtung. Die knallharte New Yorker Zeitungsreporterin Polly Perkins (Paltrow) trifft sich mit einem der Forscher, der ihr anvertraut, dass ein geheimnisvoller Deutscher Namens Dr. Totenkopf hinter den Attacken steht. Just zu diesem Zeitpunkt überfallen die Roboter New York und werden erst vom Superpiloten Sky Captain (Law) in die Flucht geschlagen. Der Flieger und die Reporterin, Ex-Liebhaber, die sich ständig wie alte Eheleute zoffen, tun sich zusammen und ihre Jagd nach Dr. Totenkopf in der Luft, auf dem Land und unter Wasser führt sie rund um die Welt, in die Berge von Tibet und auf die Paradiesinsel Shangri-La.

    Die Geschichte ist aber zweitrangig an dem Film. Die Hauptrolle spielt der Stil. Die fantastischen Bilder mit ihren ausgewaschenen Farben und dem Spiel von Licht und Schatten sind den Filmklassikern der 30er und 40er Jahre nachempfunden, Law und Paltrow wirken in ihren von Stella McCartney entworfenen Garderoben wie Kinohelden aus einer vergangenen Zeit und die vor Stahl strotzenden Maschinen verkörpern einstige Zukunftsvisionen. «World of Tomorrow» - die Welt von Morgen - war das Motto der New Yorker Weltausstellung von 1939.

    Der Film wurde tatsächlich in weniger als vier Wochen komplett in einem Londoner Studio mit blauen Wänden gedreht. Die Schauspieler bekamen vom Regisseur erzählt, was gerade in einer Szene passiert und mussten entsprechend reagieren. Paltrow gab später zu, dass sie sich ziemlich dumm vorkam, wenn sie schreiend vor einem imaginären Roboter flüchten sollte - und das ist ihren Szenen manchmal auch anzusehen. Law dagegen war begeistert: «Es war wie in der Kindheit, als man sich vorstellte, das Sofa sei ein Schiff und der Fernseher ein Alien.» Altmodische Abenteuerträume sind der Stoff, aus dem Film besteht.

    Das Abenteuer begann vor zehn Jahren als ein junger Mann Namens Kerry Conran aus Frust über die permanente Ablehnung seiner Ideen in Hollywood beschloss, ganz alleine seinen eigenen Film zu machen - auf einem einfachen Apple-Laptop. «Der Computer war damals so langsam, dass es manchmal 20 Minuten dauerte, bis sich ein einziges Bild aufgebaut hatte», erinnert sich der heute 38-jährige Conran. Nach vier Jahren Arbeit waren gerade einmal sechs Minuten fertig.

    Aus diesen sechs Minuten sollte jedoch eine große Hollywood- Produktion erwachsen. Nachdem Produzent Jon Avnet die Bilder sah, in denen ein Hindenburg-Zeppelin in einem Schneesturm am New Yorker Empire State Building andockt und gigantische Stahlroboter durch die Häuserschluchten Manhattans marschieren, war er sofort hingerissen. Auch die sonst wählerischen Hollywood-Stars Law, Paltrow und Jolie sagten unter dem Eindruck dieser sechs Minuten sofort zu, ohne überhaupt das Drehbuch zu kennen. Der Anfang des Films entspricht weitgehend diesem ersten Entwurf.

    Der Film hat eine fesselnde Bildsprache, irgendwann wird es einem aber schließlich doch zu viel dieser perfekten Flut von Stil und künstlichen Retro-Bildern, gespieltem Heldentum, immer neuen bombastischen Kulissen und endlosen historischen Filmzitaten. Auch das kurze Auftauchen einer digital belebten Kopie des jungen Laurence Olivier als Dr. Totenkopf geht eher unter. Man will endlich etwas echtes sehen, echte Gefühle, ja wenigstens ein echtes Auto - aber der Film hält sich unerbittlich an sein synthetisches Konzept. Es bleibt beim Triumph des Laptops.

    Das mag auch einer der Gründe dafür sein, dass der Film in Amerika trotz vieler begeisterter Kritiken gerade mal die Hälfte seiner Produktionskosten von 70 Millionen Dollar einspielte. Conran hat dieser relative Misserfolg jedoch nicht geschadet. Als nächstes Mammutprojekt verfilmt er das Fantasy-Epos «Die Prinzessin vom Mars» des «Tarzan»-Erfinders Edgar Rice Burroughs.

    dpa

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