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  • Kritik: Faszinierende Bilder - Ein Mord als Segen

    Frankfurt/M (AP) - Ein Skelett, ein verrosteter Sheriffstern: dieser mysteriöse Fund nahe der texanischen Kleinstadt Frontera reißt längst vernarbte Wunden wieder auf. Sheriff Sam Deed muß den Fall untersuchen, in dem sein eigener Vater der Hauptverdächtige ist. "Lone Star" ist ein spannender Kriminalfilm. Noch spannender aber sind die Alltagsgeschichten, die er erzählt. Wer "Smoke" oder "Short Cuts" mochte, wird diesen Film lieben.

    "Das ist eine Geschichte über Grenzen", sagte Regisseur John Sayles: Über Grenzen zwischen Rassen, Geschlechtern, Generationen, auch über die Grenzen zwischen Legenden und Wirklichkeit. Sams Vater Buddy Deeds ist eine Legende: Er hatte 1957 dem korrupten Sheriff Charley Wade die Stirn geboten. Als Wade zur Freude aller spurlos verschwand, wurde Buddy sein Nachfolger. "Un buen hombre", sagt die erfolgreiche mexikanische Geschäftsfrau. "Er hat sich wirklich gesorgt um die Menschen", sagen der schwarze Barbesitzer Otis Payne und der weiße Bürgermeister. Daß Sam Deeds nun am Denkmal seines Vaters kratzt, stört alle.

    "Sheriff Deeds ist tot, Süßer - du bist nur Sheriff junior", bekommt Sam zu hören. In nahtlosen Überblendungen wird der Zuschauer immer wieder ins Jahr 1957 zurückversetzt, als Wade (gespielt von Kris Kristofferson) Schutzgeld kassierte und einen mexikanischen Schlepper ermordete. Die fast unmerklichen Wechsel verstärken das Gefühl, daß die Vergangenheit noch sehr gegenwärtig ist.

    Zugleich läßt die ruhige Kamera dem Zuschauer Zeit, die großartigen Bilder zu genießen, die sich vor ihm auftun. Aus der Sonne kommend, verweilt sie gern auf der Verenda, auf der die alte Frau an ihrem Computerspiel sitzt, oder in Otis Paynes Bar.

    Otis' Sohn Delmore, so alt wie Sam, befehligt als Oberst den örtlichen Stützpunkt der Army. "Der frißt Stahlnägel und scheißt Eiswürfel", spotten untergebene weiße Offiziere. Ratlos vernimmt der ehrgeizige Delmore, wie ihm eine schwarze Soldatin mit Drogenproblemen ihre Sicht der Wirklichkeit erklärt: "Ich tu, was die sagen, denen das Land gehört." - "Und wie, glauben Sie, bin ich dann Colonel geworden?"

    Delmore besucht seinen Vater nicht, weil der einst die Familie verlassen hat. Delmore will, daß sein verträumter Sohn auf der Offizierschule von West Point zum Mann erzogen wird. Regisseur Sayles: "An welchem Punkt sagt man über seine Eltern: Das kommt von ihnen - das bin ich, von jetzt ab übernehme ich die Verantwortung für mich selbst?"

    Das fragt sich auch Sheriff Sams ehemalige Schulfreundin, die Lehrererin Pilar Cruz. Sie ärgert sich, daß ihre Mutter in ihrem mexikanischen Restaurant illegale Einwanderer beschäftigt, aber die Polizei ruft, wenn sie Illegale über die Grenze kommen sieht. Pilar streitet in der Schule mit Kollegen - Angelsachsen und Latinos - über die richtige Deutung des mexikanisch-texanischen Krieges 1836. Doch wo sind eigentlich ihre eigenen Wurzeln? Stimmt das, was ihre Mutter ihr über ihren toten Vater erzählt? Und was hat die alte Dame an Pilars Treffen mit dem sympathischen Sam Deeds auszusetzen?

    Mehrere Darsteller hatten bereits in Sayles Film City of Hope" mitgespielt: Chris Cooper (Sam), Joe Morton (Delmore), Miriam Colon (Mercedes). Morton ist vielen Zuschauern auch als Hauptdarsteller in "Der Typ vom anderen Stern" bekannt.

    "Lone Star" dauert zwei Stunden und 17 Minuten. Das wird gewöhnlich als Überlänge bezeichnet. Alles ist eben relativ.

    Von AP-Korrespondent Roland Losch

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