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  • Kritik: Farbenfroher DisneyZeichentrick

    Die «Bärenbrüder» gehören zu einer aussterbenden Art: Die traditionelle Kunst des handgemalten Zeichentrickfilms wird unaufhaltsam durch Computeranimation verdrängt. Nachdem die Bären an amerikanischen Kinokassen im vergangenen Jahr hoffnungslos gegen den Computeranimierten Clownfisch Nemo untergingen, zog Disney die Reißleine.

    Das verantwortliche Studio in Florida, aus dem immerhin Erfolge wie «Mulan» oder «Lilo Stitch» kamen, wurde kurzerhand dicht gemacht.

    Dabei sollten gerade die «Bärenbrüder» nach mehreren Streifen mit nur mäßigem Erfolg wieder an die glorreiche Disney-Tradition anknüpfen. Kein Aufwand wurde gescheut: Die Macher reisten wochenlang durch amerikanische Nationalparks, um die schönsten Naturkulissen für die Handlung zu finden, ein besonders komplizierte Zeichentechnik mit kräftigeren Farben wurde gewählt. Phil Collins steuerte nach dem «Oscar»-Erfolg mit «Tarzan» nicht nur wieder die Songs bei, sondern schrieb erstmals auch an der Filmmusik mit.

    Mehr Dramatik und offenerer Umgang mit Gewalt

    Auch bei der Geschichte versuchte Disney, der Entwicklung heutiger Kinder Rechnung zu tragen. Die Story weist eine Dramatik und auch einen offeneren Umgang mit Gewalt auf, wie sie noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Am Anfang der Geschichte stehen drei Brüder: Sitka, Denahi und Kenai. Sie leben vor 10 000 Jahren, am Ende der Eiszeit, in der Wildnis Nordwestamerikas.

    Eines Tages klaut dem jüngsten Bruder, Kenai, ein Bär einen Korb voll Fisch. Er jagt dem Bären hinterher, seine Brüder folgen, um ihn zu beschützen und in einem Kampf kommt Sitka, der älteste Bruder, ums Leben. Kenai beschließt, ihn zu rächen, verfolgt den Bären und tötet ihn schließlich nach einem harten Kampf. Doch im selben Augenblick verwandelt er sich selber in einen Bären. Der mittlere Bruder Denahi kommt zu spät an den Schauplatz des Kampfes und sieht nur einen Bären, der vor der zerfetzten Kleidung von Kenai steht. Nun sucht er Rache und will den Bären, der in Wirklichkeit sein Bruder ist, zur Strecke bringen.

    Für Lacher sorgen zwei dümmliche Elche

    Soweit der dramatische Teil. Für Lacher sorgen zwei dümmliche Elche, die Kenai trifft. Außerdem findet er einen Freund im Bärenjungen Koda, der seine Mutter sucht und dabei Hilfe braucht. Mit der Verwandlung Kenais wechselt der Film in das für Animationsfilme seltene 2,35:1-Breitbildformat und die Farben der Schauplätze werden noch satter. Die Mühe schon bei den Details war enorm: Ausgiebig wurden Anatomie und Bewegungen der Bären studiert, damit sie im Film authentisch wirken, das Geweih der Elche wurde am Computer animiert, um Fehler beim Zeichnen in verschiedenen Perspektiven zu vermeiden.

    Von Hand gezeichnete Filme werden in Nische gedrängt

    Doch der ganze Aufwand brachte nicht den ersehnten Erfolg. In den USA haben die «Bärenbrüder» gerade mal 85 Millionen Dollar eingespielt, während «Findet Nemo» mit 340 Millionen einen Genre-Rekord aufstellte und allein die DVD sich in den ersten zwei Wochen 17 Millionen Mal verkaufte. Die Verdrängung des von Hand gezeichneten Films in die Nische dürfte damit endgültig besiegelt sein.

    Es gibt aber noch Enthusiasten, die nicht aufgeben: Mehrere frühere Disney-Zeichner aus den nun dicht gemachten Florida-Studios machten sich selbstständig und gründeten die Firma Legacy, die die Tradition fortführen soll. Schließlich basiert der Erfolg von «Nemo» und anderen Filmen des Studios Pixar nicht nur auf der gestochenen Optik und großen Möglichkeiten der Computeranimation, sondern vor allem auf witzigen Geschichten und Figuren, also auf Kreativität, die nicht vor Genregrenzen Halt macht.

    dpa

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