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  • Kritik: Fantastische Tragikomödie

    Edward Bloom (Albert Finney) ist wahrscheinlich der größte Hochstapler seit Baron Münchhausen - ein bodenloser Schwindler und Scharlatan, zugleich aber liebevoller Ehemann und Familienvater. In der wundersamen Tragikomödie «Big Fish» könnte man Edward stundenlang zuhören, denn es geht bei einer guten Geschichte bekanntlich selten nur um die Wahrheit.

    Regisseur Tim Burton («Sleepy Hollow», «Mars Attacks») erzählt in «Big Fish», seinem wohl besten Film seit «Ed Wood» (1994), eine bewegende, mitunter hemmungslos sentimentale Familiengeschichte. Gewiss hat auch dieses exzellent besetzte Fantasy-Drama nach dem Roman von Daniel Wallace wieder etwas von einem Kuriositätenkabinett, aber diesmal folgen die verschrobenen Einfälle und schrulligen Volten ihrer ganz eigenen Logik.

    Edward Bloom lebt nur, wenn er erzählt

    Tim Burton hat den Zuschauer schnell am Haken, weil er ihn mit einer fantastischen Story ködert: die haarsträubende Lebensbeichte eines ebenso sympathischen wie eigensinnigen Mannes, dessen unglaubliche Vita von der wahrlich explosiven Geburt an über seine himmlische Ehe mit Sandra (Jessica Lange) und dem Abtauchen im großen Fluss aus nichts anderem als Geschichten besteht.

    Edward Bloom lebt nur, wenn er erzählt. Dabei spielt es letztlich gar keine Rolle, ob die Episoden nun wahr sind oder erfunden. Und wenn einer ihm nicht zuhören will, dann japst der arme Fabulierer verzweifelt nach Luft - wie ein Fisch auf dem Trockenen.

    Der Protagonist erinnert sich, wir staunen: über die Spinnweben verhangene Hexe Jenny (Helena Bonham Carter), in deren Glasauge man den eigenen Tod sehen kann. Dabei liegt dem jungen Edward (Ewan McGregor) die Welt zu Füßen. Er nimmt es mit Karl, dem vier Meter großen Riesen auf und merkt schnell, dass dieser furchtbar einsam und traurig ist.

    Heiratsantrag mit 10.000 Narzissen

    Edward zieht in die Welt hinaus, kämpft sich durch verwunschene Wälder, kommt in das paradiesisch grüne Örtchen Spectre, wo keiner mehr Schuhe braucht, weil niemand die Idylle je verlässt. Ein Poet (Steve Buscemi) philosophiert hier über die Schönheit nie geschriebener Gedichte, aber Edward holt sich seine Schuhe von der Wäscheleine zurück und schuftet später lieber jahrelang bei einem Wanderzirkus. Der hartherzige Direktor (Danny DeVito), der sich auch schon einmal in einen Werwolf verwandelt, kennt den Namen von Edwards zukünftiger Frau. Tapfer nimmt der Held alle Entbehrungen auf sich, bis er schließlich mit 10 000 Narzissen um die Hand der jungen Sandra (Alison Lohman) wirbt.

    Dies sind nur einige Handlungsfäden aus dem bunt gescheckten Erinnerungsteppich, den dieser Film vor uns ausbreitet. Edwards Sohn William (Billy Crudup) allerdings kann mit den privaten Mythologien seines Vaters gar nichts anfangen. Der Journalist kommt sich vor wie eine winzige Fußnote im prallen Lebensroman seines Erzeugers, ein Papierschiffchen im schier endlosen Erzählstrom des Edward Bloom.

    Am Ende aber hat der ungläubige Sohn das Überlebensprinzip begriffen und erzählt seinem sterbenskranken Vater im Krankenhaus eine wunderbare Geschichte - von einem Mann, den es mit magischer Kraft zum Wasser zog, und der das unbeschreibliche Glück hatte, dem dicksten Fisch der Welt zu begegnen.

    dpa

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