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  • Kritik: "Evita" - Ein Musical als große Kino-Oper

    Frankfurt/M (AP) Louise Veronica Ciccone hat genau gewußt, warum sie um jeden Preis Maria Ibarguren Duarte verkörpern wollte. Miß Ciccone, besser bekannt als Madonna, witterte mit Recht in der Rolle dieser Senora Duran, besser bekannt als "Evita", die Filmchance ihres Lebens. Denn die Leinwandadaption des Erfolgsmusicals von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice ist ein großer Film geworden.

    In der Inszenierung von Alan Parker vereinigen sich die optischen Sensationen der Leinwand mit den süffigen Musicalmelodien zu einem ungewöhnlichen Kinoerlebnis. Es hat etliche Vorbehalte gegen die Besetzung der Titelrolle mit dem skandalumwitterten Popstar gegeben. Madonnas bisherige Filmauftritte hatten schließlich noch niemand zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Und nicht wenige Argentinier sahen allein schon in der Besetzung der Titelrolle mit der für ihren Hang zum Obszönen bekannten Italo-Amerikanerin eine unerhörte Schändung des Andenkens ihres nationalen Idols.

    Aber es war die richtige Entscheidung der Produzenten und ihrer Geldgeber, die falsche Blondine Evita von einer anderen falschen Blondine namens Evita spielen und singen zu lassen. Die ebenso wie die Argentinierin von Natur her braunhaarige Madonna gestaltet ihre Traumrolle zu einem Triumph, dem Ende März sogar ein Oscar winken könnte. Das liegt nicht nur an der verblüffenden Ähnlichkeit der beiden zierlichen Damen oder der guten gesanglichen wie darstellerischen Leistung von Madonna.

    Vielmehr noch fasziniert den Betrachter, daß eine Berühmtheit der Gegenwart mit sichtlicher Leidenschaft einer legendären Frau der Vergangenheit neues Leben einhaucht. Es ist das geheime Bündnis zweier Persönlichkeiten, die gleichermaßen, wenngleich unter völlig verschiedenen Umständen aus einfachsten Verhältnissen zum Massenidol aufstiegen. In dieser Konstellation liegt der besondere Reiz dieser Musical-Verfilmung. Und natürlich in Parkers famoser Verknüpfung von Bild und Ton, der fast ausschließlich Musik ist.

    Diese ist bekanntlich nicht frei von süßlich-trivialen Tönen. Aber nie hat das weniger gestört als in der Verbindung mit der teilweise atemberaubend rasanten Bildmontage von aufwendigen Massenszenen. Deren emotionalisierende Komposition ist Parker, der große Erfahrung mit Musikfilmen einbrachte, meisterlich gelungen. In seiner Inszenierung verwandelt sich das Musical mit seinem Welthit "Don't cry for me Argentina" in eine mitreißende Kino-Oper. Pathetisch dabei der Auftakt mit der pompösen Aufbahrung der toten Evita Peron, zu Tränen rührend das Finale mit dem frühen Sterben des Volkslieblings.

    Madonna ist der Star und das Herzstück von "Evita", doch auch die weiteren Hauptrollen sind überzeugend besetzt. Spaniens Herzensbrecher Antonio Banderas mimt und singt mit Anstand die dramaturgisch erkünstelte Partie des "Che", der mit kritischen Tönen das Leben der Evita Peron kommentiert. Dem Diktator Juan Peron, der Evita für seine politischen Ambitionen benutzte wie diese ihn für ihren gesellschaftlichen Aufstieg, gibt der renommierte britische Schauspieler Jonathan Pryce sehr weiche Züge.

    Das mag historisch fragwürdig sein. Und die wirkliche Geschichte dieser politischen Legende mit dem Hang zum verschwenderischen Luxus und dem übergroßen Herzen für die Ärmsten ist ganz gewiß nicht zu besichtigen. Aber "Evita" ist eben kein Geschichtsdrama, sondern von der ersten bis zur letzten Minute ein musikalischer Bilderrausch, der die Zuschauer begeistern wird. Das Jahr 1997 beginnt mit einem Kinohit, der das Zeug zum Klassiker hat. Madonna hat sich ein Denkmal gesetzt.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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