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  • Kritik: Erster HollywoodFilm über Attentat vom 11. September

    New York. Bis zum Schluss hofft man wider alle Vernunft, dass «Flug 93» noch gut ausgeht. Dass die Passagiere der gekidnappten United-Maschine die Al Kaida-Terroristen im Cockpit überwältigen. Dass sie im wahrsten Sinne des Wortes das Steuer herumreißen und das Flugzeug mit den 40 Menschen an Bord sicher auf einem Feld in Pennsylvania landen.

    Dramatische Geigenmusik, Ende. Aber «Flug 93» ist kein Popcorn-Movie, auch wenn es der erste Hollywood-Film ist, der den 11. September 2001 thematisiert. Der britische Regisseur Paul Greengrass erzählt die «glaubhafte Wahrheit» des Tages als Doku- Drama, und da gibt es kein Happy End. Am 1. Juni startet «Flug 93» in den deutschen Kinos.

    Das Nervenaufreibendste bei dem Film ist die Unbekümmertheit am Anfang: Ein strahlend schöner Septembertag auf dem Flughafen Newark bei New York. Freundlicher Smalltalk, Einchecken, Durchsagen, ein letzter Handy-Anruf, naive Routine. «Wir haben leider 30 Minuten Verspätung und bitten um ihre Geduld», sagt der Kapitän noch. Eine junge Frau kuschelt sich in ihren Sitz und holt Schlaf nach. Aber der Terror ist bereits an Bord. Eine halbe Stunde nach Abflug stürmen die vier Entführer das Cockpit, ermorden die beiden Piloten und steuern den Flieger auf Washington zu.

    Keiner weiß, was wirklich passiert ist an Bord der United-Maschine mit der Flugnummer 93, der einzigen der vier entführten Flugzeuge, die ihr Ziel verfehlte und in ein Feld in Pennsylvania krachte. Fest steht, dass die Passagiere durch Telefonanrufe ahnten, was mit ihnen geschehen sollte und sich zur Wehr setzten. Filmemacher Paul Greengrass («The Bourne Supremacy») konstruierte sein Drehbuch aus dem Untersuchungsbericht der 9/11-Kommission und Interviews mit mehr als 100 Hinterbliebenen. Sehr subtil zeichnet er nach, wie ganz normale Menschen in einer Extrem-Situation über sich hinauswachsen. Den üblichen Rambo-Patriotismus schenkt er sich zum Glück. Keiner wird als Held gefeiert oder herausgestellt - und gerade deshalb achtet man am Ende die Zivilcourage besonders.

    Hollywood-Stars sind übrigens nicht zu sehen: Echte Stewardessen und Piloten wurden für die entsprechenden Rollen besetzt. Einige der Fluglotsen im Film sind genau die, die auch am 11. September 2001 Dienst hatten. Der Chef der Bundesflugbehörde Federal Aviation Administration (FAA), Ben Sliney, der just an dem schicksalhaften Tag seinen neuen Job antrat, spielt sich sogar selbst. Die Schauspieler, die die Passagiere darstellen, haben sich Anregungen von den Hinterbliebenen geholt. Die waren fast alle mit dem Projekt einverstanden und haben die Dreharbeiten begleitet.

    Viele improvisierte Dialoge, atemlose Schnitte zwischen Terroristen, Passagieren und der unter immensem Druck stehenden FAA- Bodenkontrolle geben dem Zuschauer im Kino das beklemmende Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken, rollt Greengrass den Horror dieses Tages erneut auf. Es ist ein gut gemachter, ein sehr sensibler Film. Und gerade deshalb schwer verdaubare Kost. «Ausgezeichnet, aber unerträglich», urteilte deshalb auch die «New York Daily News». Ein heilsamer Film sei «Flug 93» in keiner Weise: «Der Film lässt uns mit der selben widerlichen Mischung aus Verlust und Ärger zurück, die wir damals fühlten.»

    dpa

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