40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Erstaunlich kitschfreie Zone
  • Kritik: Erstaunlich kitschfreie Zone

    Wenn im Material zu einem Film allzu oft vom «amerikanischen Traum» die Rede ist, kann man schnell misstrauisch werden. Erfolgsstorys langweilen schnell und die Hollywood-Variante von Glück und zielstrebig erreichtem Wohlstand ärgert oft durch Oberflächlichkeit.

    Ganz anders «Das Streben nach Glück»: Ohne die bekannten Klischees erzählt der Film eine universelle Geschichte von Armut, Verzweiflung und einer letzten Hoffnung. Als wahrer Glücksgriff stellt sich auch die Besetzung mit Will Smith und seinem Sohn Jaden heraus. Der große Star lässt sich entspannt vom eigenen Kind an die Wand spielen und sorgt mit einer gefühlsklugen Leistung für ein überraschend hochwertiges Filmerlebnis.

    Smith, der sympathisch lockere Typ aus Kassenhits wie «Men in Black» oder «Hitch - Der Date-Doktor», ist Chris Gardner, auf dessen wahrer Geschichte «Das Streben nach Glück» basiert. Durch eine Fernsehreportage über Gardner, der sich in den 80er Jahren aus der Obdachlosigkeit ins sichere Leben eines Börsenmaklers emporgearbeitet hat, wurde der Produzent Mark Clayman auf diesen Menschen aufmerksam.

    Drehbuchautor Steven Conrad schuf aus den Eckdaten der Gardner-Biografie ein Drehbuch, das sich ganz auf den emotionalen Kern seines Strebens konzentriert: Auf die extreme Anstrengung eines Lebens als allein erziehender, verarmter Vater, der seinen Sohn über alles liebt und ihm eine bessere Zukunft ermöglichen will. Der italienische Regisseur Gabriele Muccino («Ein letzter Kuss») hat das in seinem ersten englischsprachigen Film ohne das Hollywood-übliche Pathos umgesetzt und sich an eine Fallstudie zur sozialen Härte im Amerika der Reagan-Zeit gemacht.

    Ein gewaltiger Stein verstellt Gardner den Weg, nachdem ihn seine Frau (Thandie Newton) verlassen hat. Ständig schleppt er tragbare Röntgenapparate mit sich herum, mit deren Verkauf er ein bisschen Geld machen will. Doch die Dinger bringen ihm nichts als Unglück. Damit, dass er als Händler der Geräte Steuern nachzahlen muss, hat er nicht gerechnet. Gardner verliert seine Wohnung, fliegt mit seinem Sohn aus einem schäbigen Motel, steht schließlich Schlange vor einem Obdachlosenasyl.

    Der echte Chris Gardner wusch sein einjähriges Baby in der U-Bahn-Toilette. Im Film ist der Sohn fünf Jahre alt, er stellt Fragen. Beim ersten Mal akzeptiert er die U-Bahn noch als nächtliches «Höhlenversteck vor Dinosauriern», beim zweiten Mal nicht mehr. Man sieht Will Smith an, wie viel Kraft es ihn kostet, in Momenten größter Bitterkeit dem Kind Liebe und Hoffnung zu vermitteln. Denn eine einzige Chance hat der Mann, der clever ist, gut rechnen und gut reden kann. Ein unbezahltes Praktikum bei einer Börsen-Firma verspricht dem Besten der Klasse einen festen Job. Und Gardner setzt alles daran, dieser Beste zu sein.

    «Das Streben nach Glück» führt sein Publikum in eine erstaunlich kitschfreie Zone und zeigt durchaus Humor. Niemals verliert die gefühlvolle Geschichte von Vater und Sohn jedoch die harte Realität aus den Augen: Armut hat nichts Romantisches, Armut ist ungerecht - aber sie gehört zum Alltag in der Welt.

    Karin Zintz, dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Donnerstag

    -1°C - 5°C
    Freitag

    2°C - 6°C
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!