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  • Kritik: Endlich erwachsen werden

    Obwohl 32 Jahre alt, hat Helmut noch nicht viel erreicht in seinem Leben. Als seine Freundin von seinem Gehabe die Nase voll hat, tritt der naive Spätzünder eine Reise zurück in die 80er Jahre an, um seine verlorene erste große Liebe Britta wiederzufinden. "Liegen Lernen", Hendrik Handloegtens amüsante Verfilmung des gleichnamigen Buches von Frank Goosen, wartet mit einer gut geführten Riege junger Schauspieltalente auf. Sie bleibt aber wie ihr Held zu brav und harmlos, um im Kinosessel wirklich zu fesseln.

    Helmut wird aus seiner Lethargie gerissen, als seine Freundin Tina ihm eines Tages vorwirft, ein "gefühlsgehemmter, bindungsunfähiger und feiger Penner" zu sein. Helmut weiß, dass er im Leben noch nicht viel bewegt hat, und entschließt sich, den vielen verpassten Chancen auf den Grund zu gehen. Die naheliegendste Erklärung für seine Lethargie, die unglückliche erste große Liebe zur Mitschülerin Britta, hat Helmut bisher gerne zur Rechtfertigung vor sich selbst genutzt. Notgedrungen tritt er den Weg zurück in die 80er Jahre an: Zurück ins Ruhrgebiet, zur Musik von "Fischer Z" und "The Smiths", zu einem kleinbürgerlichen Elternhaus, zum Protest gegen den Nato-Doppelbeschluss und zur bewunderten schönen Britta.

    Verhindertes Traumpaar: Fabian Busch und Susanne Bormann

    Gespielt wird das verhinderte Traumpaar von Fabian Busch und Susanne Bormann. Busch fiel zuletzt in "Kalt ist der Abendhauch" und "23" auf. Bormann machte mit "Schlaraffenland" und "Nachtgestalten" auf sich aufmerksam. Weitere tragende Rollen verkörpern Florian Lukas, Fritzi Haberlandt, Birgit Minichmayr und Sophie Rois. Aus der Darstellerriege ragt Rois heraus, die als exaltierte Theaterschlampe eine tolle Show liefert.

    Sorgfältig ausgestatteter Film

    Der sorgfältig ausgestattete Film, der zentrale Entwicklungen in der 16-jährigen Regentschaft von Kanzler Kohl anschaulich macht, beschert älteren Zuschauern viele Aha-Effekte, etwa wenn die politische Aktivistin Britta ihre Nicaragua-Arbeitsgruppe antreibt oder den Jüngling Helmut auf dem Flokati-Teppich anbaggert. Auch wenn manche Reminiszenzen etwas zu klischeehaft geraten, vermitteln sie doch viel vom damaligen Zeitgeist.

    Mit einer Prise Ironie

    Eine Prise Ironie verhindert, dass die Inszenierung ins Verklärende oder Weinerliche abdriftet. Zudem wird die Geschichte oft mit einem Augenzwinkern erzählt. Nicht zuletzt durch die episodenhafte Erzählstruktur erreicht "Liegen lernen" aber nicht die dramatische Dichte und Dynamik ähnlicher Coming-of-Age-Filme wie "Soloalbum" oder "Feuer und Flamme".

    Mit der nostalgisch angehauchten Zeitreise "Liegen lernen" setzt die derzeit führende deutsche Produktionsfirma X Filme um Tom Tykwer und Stefan Arndt die fruchtbare Zusammenarbeit mit Hendrik Handloegten fort, dessen ersten Spielfilm "Paul is dead" sie ebenfalls produziert hat. "Paul is dead" gewann vor drei Jahren auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis in Saarbrücken den Preis des saarländischen Ministerpräsidenten.

    Roland Erkrath, ddp

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