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  • Kritik: Emmerich greift tief in die Trickkiste

    Erfolgsregisseur Roland Emmerich hat weder Kosten noch Mühe gescheut: Rund 225 Millionen Mark verschlang sein neuestes Werk "Godzilla".

    Um das Ungetüm auf die Leinwand zu bannen, hat Emmerich, der nach seinem Welthit "Independence Day" längst nicht mehr als "schwäbischer Steven Spielberg" belächelt wird, tief in die technische Trickkiste gegriffen. Das über zwei Stunden lange Spektakel bietet atemberaubende Spezialeffekte und Computeranimationen, aber kaum eine überzeugende Handlung.

    Seit den fünfziger Jahren hatten etliche "Godzilla"-Filme vor allem aus Japan wegen ihrer billigen technischen Tricks das Publikum erheitert. Gut sichtbar hing die Riesenechse an langen Strippen, die Kulissen waren aus Pappmache. Godzilla, als genmutiertes Monster einst vor einem technik- und zivilisationskritischen Hintergrund geboren, wurde zu einer Kultgestalt. Nun wollten Emmerich und sein Team das Monster "neu erfinden" und "kein Remake des Originals" machen.

    Zum Leben erweckt wird Godzilla auf dem Mururoa-Atoll in Franzö- sisch-Polynesien. Dort mutiert eine kleine harmlose Echse durch radioaktive Strahlung, die bei Atombombentests freigesetzt wurde, zum furchterregenden Ungetüm. In New York sucht es einen Ort, wo es seine Eier gleich zu Hunderten ablegen kann. Aufgebracht fegt Godzilla durch die Millionen-Metropole und macht dabei zahlreiche Wolkenkratzer, Autos und flüchtende Passanten platt.

    Hunderte von Statisten, ein Konvoi aus Militärfahrzeugen, Kampfpanzern und Hubschrauber jagt das riesige Ungetüm durch die Straßenschluchten Manhattans. So ganz nebenbei gehen architektonische Wahrzeichen der Stadt wie das Crysler Building zu Bruch. Die Armee schafft es jedoch nicht, Godzilla zu fangen. Das gelingt vielmehr dem etwas schusseligen, aber einem furchtlosen Biologen (Matthew Broderick) gemeinsam mit einem coolen französischen Agenten (Jean Reno).

    In New York, wo der Großteil des Films entstand, drehte das Team vor allem nachts und bei künstlichem Dauerregen. Andere Szenen entstanden in Studios in Los Angeles, wo in enormen Kulissen Teile von New York nachgebaut wurden. Der monströse Star war allerdings bei den Dreharbeiten niemals leibhaftig dabei. Die Filmemacher verwendeten vor allem computergenerierte Sequenzen, aber auch Miniaturen und Modelle der Echse. Pyrotechniker sorgten mit Explosionen für die Verwüstungen Manhattans und zerstörten etliche Wolkenkratzer-Modelle. Auch der riesige Haufen Fisch im Central Park zum Beispiel, der Godzilla anlocken soll, wurde als digitaler Trick ins Bild eingefügt.

    Die Spezialeffekte koordinierte erneut der deutsche Experte Volker Engel, der für seine Arbeit in "Independence Day" bereits einen Oscar erhalten hat. Doch aufwendige Technik und Effekte allein machen noch kein Meisterwerk. Der Film läßt die Ironie von "Independence Day" vermissen, Komik entsteht eher unfreiwillig, und in der angesichts der Godzilla-Gigantomanie beinahe nebensächlich wirkenden flachen Handlung wirken auch die Schauspieler blaß. In den USA, wo "Godzilla" im Mai anlief, fiel der Film bei den Kritikern gnadenlos durch. Viele Technik-Fans meinten auch, daß Emmerichs Echse an Steven Spielbergs Dinos aus "Jurassic Park" nicht herankommt.

    Nathalie Waehlisch, dpa

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