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  • Kritik: Einfühlsames Frauendrama mit Meryl Streep

    Meryl Streep gehört sicher zu den größten Schauspielerinnen der Gegenwart. In dem irischen Familiendrama "Tanz in die Freiheit" zeigt sich die doppelte Oscar-Preisträgerin von einer ungewohnten Seite: Sie brilliert nicht als einsamer Star, sondern als Seele eines Ensemble-Films.

    Regisseur Pat O'Connor erzählt mit seinem wunderbaren Team eine einfühlsame Frauengeschichte über Sehnsucht und unerfüllte Träume, Verlust und Geborgenheit. Am 4. Februar kommt der Film bundesweit in die Kinos.

    Die Leinwandadaption des international erfolgreichen Theaterstücks "Dancing at Lughnasa" (Brian Friel) führt zurück in den Spätsommer des Jahres 1936. Während weltweit Krieg und Grauen heraufziehen, leben die fünf Mundy-Schwestern im scheinbaren Frieden der grünen Hügel Irlands. Zwei Männer werden ihr beschauliches Dasein unwiederbringlich verändern: der Bruder Jack, der nach 25 Jahren als Priester in Afrika verstört heimkehrt, und der Abenteurer Gerry, der als Geliebter der Schwester Christina und Vater ihres unehelichen Sohnes für Unruhe sorgt. Bittere soziale Not läßt die Familie schließlich auseinanderbrechen.

    Obwohl die Geschichte aus der Perspektive von Christinas inzwischen erwachsenem Sohn erzählt wird, bleibt Meryl Streep auf eine ganz unprätentiöse Weise das Kraftzentrum des Films. Mit unglaublicher Dichte zeigt sie die Gebrochenheit ihrer Figur zwischen der Verantwortung als "Familienoberhaupt" und der Wehmut einer einsamen Jungfer. "Ich bin wohl ein verdammt selbstgerechtes Weib", sagt sie einmal zutiefst erschrocken. Der spontan-ausgelassene Tanz mit ihren Schwestern zu Ehren des keltischen Erntegottes Lugh ist am Schluß ein "Tanz in die Freiheit" - und zugleich der Anfang vom Ende.

    "Meryl Streep war von dem Drehbuch auf Anhieb begeistert", erzählt Filmemacher O'Connor im dpa-Gespräch. "Es war für sie eine Chance, zu ihren Wurzeln als Theaterschauspielerin zurückzukehren." Die sonst als eigen und schwierig geltende Hollywood-Größe sagte ihre Mitarbeit sofort zu. Auch Schwierigkeiten am Set mit Star-Allüren oder Extratouren gab es laut Regisseur nicht: "Sie ist einfach nur eine wunderbare Schauspielerin und ein sehr gradliniger Mensch." Bloß über den Prozentsatz von Streeps Gage am 30 Millionen-Budget mag sich O'Connor nicht so recht äußern - es sei jedenfalls nicht der Löwenanteil gewesen, versichert er.

    Neben der darstellerischen Leistung (in weiteren Rollen Michael Gambon, Catherine McCormack, Kathy Burkes, Sophie Thompson und Brid Brennan) besticht der Film durch seine temperamentvolle Musik und vor allem durch herrliche Bilder von der idyllischen Landschaft Irlands. Mit dem Vorkriegsschicksal der fünf Schwestern erzählt O'Connor auch eine ganze Menge über die irische Mentalität heute. "Mich interessieren Geschichten über einfache Menschen", sagt er. "Vergangenheit und Gegenwart gehören dabei unverbrüchlich zusammen: Ohne das eine kann man das andere nicht verstehen."

    Nada Weigelt, dpa

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