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  • Kritik: Einfühlsame Charakterstudie von Heimkindern

    Für Alice ist das Leben ein Kampf. Die Mutter steckt das sensible und introvertierte Mädchen in ein katholisches Erziehungsheim. Die 16-Jährige (Maria Kwiatkowsky), die mit einem überaus empfindlichen Gehör ihre Umwelt ständig als Bedrohung wahrnimmt, wird von den anderen Heimkindern ausgegrenzt.

    Nur die Kurdin Berivan (Pinar Erincin) freundet sich mit ihr an, verliebt sich dann aber in einen Jungen - die Situation im Heim eskaliert. «En Garde» - wie die Vorwarnung beim Fechten - heißt der neue Film der Hamburger Regisseurin Ayse Polat, der Fechtunterricht der beiden Mädchen wird zur Metapher.

    Mit ihrem zweiten Spielfilm setzt die deutsch-kurdische Regisseurin den Erfolg Hamburger Filmemacher wie Fatih Akin («Gegen die Wand») fort. Auch «En Garde» kommt bereits wieder preisgekrönt in die Kinos: Beim renommierten Festival in Locarno erhielt die Produktion den Silbernen Leoparden. Vier Jahre zuvor war bereits Polats TV-Film «Auslandstournee» erfolgreich auf internationalen Festivals gelaufen. Auch die Akteurinnen Kwiatkowsky und Erincin überzeugten die Jury von Locarno und gewannen gemeinsam den Preis als beste Hauptdarstellerin.

    Einfühlsam erzählt Polat vom Ausgrenzen und Anderssein, von der Suche nach Halt, Liebe und Geborgenheit und dem sehnlichen Wunsch, dazuzugehören. Mit der Geschichte von «En Garde» verknüpft sie persönliche Erfahrungen. «Ich habe Heimkinder kennen gelernt, Flüchtlingskinder ebenso wie Kinder, die von ihren Eltern weggegeben worden waren», erzählt sie. «Einerseits sind Freundschaften und die Sehnsucht nach Nähe für sie besonders wichtig. Andererseits haben sie große Angst vor einem erneuten Verlassenwerden und zerstören diese Freundschaft wieder.»

    Der zurückhaltende Film, der ohne große Musik auskommt, setzt ganz auf das intensiven Darstellen der beiden jungen Schauspielerinnen. Obwohl sie kaum Vorerfahrungen haben, spielen die Newcomer Kwiatkowsky und Erincin authentisch und ergreifend ihre Rollen: Berivan (Erincin), die seit der missglückten Flucht ihrer Familie aus Kurdistan allein in Deutschland lebt, und Alice (Kwiatkowsky), die durch ihr hypersensibles Hörvermögen ihre Umgebung ganz anders wahrnimmt - ihre Ängste kann der Zuschauer durch Bilder und Töne hautnah mitempfinden.

    Die 1970 in der Türkei geborene Polat, die 1978 nach Hamburg kam, hat das Fremdsein selbst kennen gelernt und die Immigrationserfahrung als Filmemacherin schätzen gelernt. «Dadurch hat man einen ganz anderen Blick auf die Dinge, eine Sicht von außen.» Wichtig war ihr bei bei dem in Hamburg und Niedersachsen gedrehten Film typische Hamburg-Bilder zu vermeiden. «Der Film kann überall in Deutschland spielen. Denn je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr habe ich gemerkt, wie universell es ist.»

    dpa

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