40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Eine unorthodoxe Hochzeitsgeschichte
  • Kritik: Eine unorthodoxe Hochzeitsgeschichte

    Die Braut hat keine Ahnung, was um sie herum geschieht. Sie leidet unter Alzheimer und lebt im Pflegeheim. Ehemann Nino vergöttert sie trotzdem noch wie am ersten Tag.

    Norma ist die Liebe seines Lebens. Darum will er ihr zum Geburtstag nach all den vielen Jahren endlich auch die kirchliche Trauung schenken. Mit dem argentinischen Film "Der Sohn der Braut" kommt zu guter Letzt noch die ungewöhnlichste Liebeskomödie des Jahres in die Kinos, in der die Alten die Träume der Jungen leben.

    Ein Generationsspiel mit umgekehrten Vorzeichen

    Zwei Senioren (Norma Aleandro und Héctor Alterio) sind die romantischen Helden dieses Films, obwohl er im wesentlichen um die Lebenskrisen ihres Sohnes kreist. Für Rafael (Ricardo Darín) hat sich im Leben nichts erfüllt, weder beruflich noch privat. Tag für Tag rotiert er, um das italienische Familienrestaurant in Buenos Aires zu erhalten. Die Ehe ist gescheitert, mit der jungen Freundin unterhält er nur eine halbherzige Beziehung. Mit 42 erleidet er einen Herzinfarkt und stellt sich die Sinnfrage. Das allein wäre kaum originell, würde die Frage nach dem Sinn und der Erfüllung nicht in der Umsetzung von Vater Ninos Hochzeitsplänen münden.

    Anstelle einer sentimentalen Seniorenromanze erlebt man hier ein Generationsspiel mit umgekehrten Vorzeichen. Mit unangestrengtem Humor verhandelt der Film elementare Bedürfnisse wie beständige Liebe und wahren Genuss. Vater Nino, der aus Italien stammt, kann da im Luxus der Erinnerungen schwelgen. Zu seiner Zeit wurde das Tiramisu exklusiv mit Mascarpone zubereitet. Jetzt kann sich das Restaurant nur noch die billigere Frischkäse-Version leisten. Es ist die passende Metapher für die faulen Kompromisse in Rafaels Leben.

    Der gescheiterte Mann als Grundlage

    Die Figur des gescheiterten Mannes war es, die Regisseur Juan José Campanella zu diesem Film motivierte. Nur fehlte der Plot. Der stellte sich ein, als Campanellas Vater den Wunsch äußerte, die an Alzheimer erkrankte Mutter kirchlich zu heiraten. So zumindest erzählt es Campanella, dem auf diesem Wege auch der starke Wendepunkt für seine romantische Komödie in den Schoß fiel. Denn die Kirche verweigert dem Paar ihren amtlichen Segen, weil die kranke Norma nicht mehr vertragsmündig sei.

    Schutz vor Unmündigkeit, aber nicht vor besinnungsloser Liebe

    So wird am Ende aus dieser keineswegs verträumten Liebeskomödie noch eine bürokratische Farce. Der Sohn der Braut fragt sich verzweifelt, warum die Kirche nicht auch die jungen Paare vor sich selber schützt, wenn die besinnungslos vor Liebe zum Traualtar schreiten. Trotzdem wird es ein Hochzeitsfoto geben, auf dem die Braut Norma lächelt. Es ist alles eine Frage der Inszenierung. Und Juan José Campanella hat seine unorthodoxe Hochzeitsgeschichte ganz erstaunlich inszeniert.

    Ricarda Schrader, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Jochen Magnus

    Mail | 0261/892-330

    Abo: 0261/9836 2000

    Anzeigen: 0261/9836 2003

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    1°C - 8°C
    Samstag

    5°C - 7°C
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!