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  • Kritik: Eine Odyssee in Afghanistan

    Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit

    Der lange vor den Terroranschlägen des 11. September abgedrehte Streifen hat sich wegen seiner Aktualität in vielen Ländern bereits zum Kassenschlager entwickelt. Mit seiner seiner teilweise surrealistischen Bildmagie schuf der 44 Jahre alte Regisseur ein bewegendes Dokument über die Situation der Menschen und besonders der Frauen in Afghanistan unter dem Taliban-Regime. "In fast 100 Jahren Kinogeschichte wurde Afghanistan bisher so gut wie gar nicht beachtet", meint Niloufar Pazira, die die Rolle der Nafas spielt.

    Makhmalbaf ("Der Radfahrer") befasst sich nicht mit großen politischen Problemen, sondern mit dem alltäglichen Elend der Menschen. Fiktion veschmilzt mit Dokumentation, die Tragödie mit schwarzem Humor. "Aber wo ist da die Grenze? Ich filmte, was ich sah und veränderte Dinge, damit sie in mein Konzept passten", sagt der Regisseur. Stille macht sich in den Kinosälen breit, wenn Nafas sich die Burka über Kopf und Körper zieht, sie mit dem Arzt nur durch ein winziges Loch im Vorhang kommunizieren darf oder Räuber, Schwindler und Diebe ihre schwierige Reise fast scheitern lassen.

    Auch die Dreharbeiten seien mühsam gewesen, bestätigen die Akteure. Makhmalbaf wählte für sein Werk ausschließlich Laiendarsteller - allen voran die aristokratisch-schöne Niloufar Pazira mit ihren durchdringenden Augen. Die meisten Statisten, die die Crew direkt in Afghanistan zur Teilnahme an den Dreharbeiten aufforderte, hatten nie zuvor einen Film gesehen: "Wir mußten ein kleines Theater mit einem Fernseher und einem Videorekorder aufbauen, wo wir ihnen Filme zeigten, damit sie überhaupt das Konzept verstanden", erinnert sich die Schauspielerin. "Immer wieder sahen wir in der Wüste Menschen liegen, die zu schwach waren, um aufzustehen oder sich auch nur zu bewegen."

    "Kandahar" ist ein viel gepriesener Film, der Publikum und Kritiker gleichermaßen überzeugt hat. Mohsen Makhmalbaf erhielt Anfang Oktober die Fellini-Medaille in Gold "für sein Filmwerk und sein Engagement für afghanische Frauen".

    Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Jedoch entschied sich Makhmalbaf manchmal für kleine Änderungen, so im Falle der eindrucksvollen Szene, in der Beinprothesen an Fallschirmen aus Hilfsflugzeugen abgeworfen werden. Oben schweben die körperlosen Beine am blauen Himmel, unten humpeln durch Landminen verkrüppelte Männer an Krücken dem Landeort entgegen. In Wirklichkeit seien die Prothesen natürlich verpackt, gesteht der Regisseur. Aber die Szene wird so zum Leitmotiv für Schmerz, Verzweiflung und Überlebenswillen.

    Im Oktober ließ sich sogar US-Präsident George W. Bush aus Paris eine Kopie von "Kandahar" mit englischen Untertiteln zuschicken, um mehr über den Alltag und das Leiden der Menschen in Afghanistan zu lernen.

    Carola Frentzen, dpa

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