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  • Kritik: Eine Oase des Glücks im deutschen Kino

    Die gelbe Telefonzelle repräsentiert eine Zeit, die auch dem damals jungen deutschen Film einige seiner glücklichsten Momente bescherte. In ihrer Entführungskomödie «Die Quereinsteigerinnen» lassen die Kölner Filmemacher Rainer Knepperges und Christian Mrasek diesen Charme wieder aufleben.

    Er entspringt der Unprofessionalität zweier Kidnapperinnen, die den Chef eines deutschen Telefonkonzerns zu einer unerwarteten Auszeit in einem Ferienhaus verhelfen.

    Auf Kriegsfuß mit den hypermodernen Telefonstationen wollen Katja (Claudia Basrawi) und Barbara (Nina Proll) die Wiedereinführung der gelben Häuschen durchsetzen. Das Kidnapping von Konzerboss Harald Winter (Rainer Knepperges in Autoritätskostüm und -maske) ist ein spontaner Akt. Der Rest ist Improvisation im grenzwertig altdeutschen Ambiente des Ferienhauses, wo sich die Spannungen lösen wie die Fesseln der auf der Campingliege verschnürten Geisel. Die Reise ins Gestern führt in eine Oase, in der Eierlikör und Heimorgel schlicht zu Hause sind und Katja und Barbara sich in den Jahrzehnte alten Klamotten aus den Untiefen des Kleiderschranks wohl fühlen.

    Gemütlichkeit wird zur Extravaganz

    Der Film ist auch eine Oase des Glücks für die Zuschauer in einem wiederum jungen deutschen Kino. Eine Komödie, die das Kunststück vollbringt, aus sich heraus, ohne schrille Retro-Trash-Attitüde bizarr zu sein. In einem Haus, in dem das Althergebrachte überlebt hat, wird die Gemütlichkeit zur Extravaganz. Sie zwingt zur Ruhe, die nicht zur Nostalgie, sondern zu Visionen neuer, alter Lebensformen im hektischen Kapitalismus anregt. Da hierbei die Qualität gelber Telefonzellen und die Utopie von Vollbeschäftigung, bei der Menschen den ganzen Tag im Café sitzen, bestimmend sind, ist jeder Vergleich mit Hans Weingartners «Die fetten Jahre sind vorbei» obsolet.

    Inspiriert ist dieser Film vom Kino des Klaus Lemke, der hier als Finstermann des Kapitals einen kurzen aber nachhaltigen Gastauftritt hat. Seine Schwabing-Filme, in denen das Prinzip des Unprofessionellen zum überlebenden Kultfaktor wurde, werden in den «Quereinsteigerinnen» wieder lebendig.

    dpa

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