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  • Kritik: Eine Jugend auf Sinnsuche

    Tragische Schlusswendung

    Eine stimmige Besetzung mit Jungdarstellern wie Matthias Schweighöfer und eine präzise Milieuzeichnung machen das ernste Coming-of-Age-Drama "Die Klasse von 99" zu einer sehenswerten Studie über die Mühen des Erwachsenwerdens.

    1999 haben Felix, Sören und Schmidt in einer Kleinstadt am Niederrhein Abitur gemacht. Nach drei Jahren und einem abgebrochenen Studium kehrt Felix (Matthias Schweighöfer) nun als Polizeischüler zurück. Sein Freund Sören (Tim Sander) arbeitet in einem Immobilienbüro und bessert das Gehalt mit dem Schmuggel von Ecstasy-Pillen aus Holland auf. Der kumpelhafte Schmidt (Axel Stein) macht auf cool, fällt bei den Frauen aber immer auf die Schnauze. Die hübsche Simona (Anne Bertheau) war früher mal mit Felix liiert, ist nun aber mit Sören zusammen.

    Die alte Unbeschwertheit des Schülerlebens ist verflogen, wie Felix feststellt. Alle haben ihre eigenen Probleme und versuchen, Frust und Unzufriedenheit mit Eskapaden am Wochenende zu kompensieren. Als Sören Felix um Hilfe beim Transport der Drogen bittet, gerät der Polizeischüler in Gewissensnöte.

    Filme über Freud und Leid des Erwachsenwerdens haben derzeit Konjunktur. Von "Liegen lernen" über "Sie haben Knut" und "Herr Lehmann" bis zu "Motown" reicht das Spektrum von Arbeiten junger deutscher Regisseure, die sich mit diesem klassischen Filmthema auseinandersetzen. Nachdem Marco Petry mit seinem überraschend erfolgreichen Erstling "Schule" von der Narrenfreiheit der Teenagerzeit erzählt hat, schildert er nun das Lebensgefühl einer verunsicherten Generation an der Schwelle zum Erwachsenwerden in erheblich dunkleren Tönen.

    Den Provinzmief der Land-Disko vermag Petry ebenso authentisch zu vermitteln wie den Bammel der Ecstasy-Schmuggler beim Grenzübertritt. So ergibt sich ein realitätsnahes Bild junger Männer, die mit Anfang 20 noch von Ängsten und Unsicherheiten getrieben werden und nicht so recht wissen, wie sie ihren Platz im Leben finden sollen. Der kinoerprobte Matthias Schweighöfer, der Comedy-Star Axel Stein und der bisher als Soap-Sternchen hervorgetretene Tim Sander hauchen diesen noch fast halbstarken Jünglingsfiguren ein beachtliches Leinwandleben ein.

    Der zuweilen zu behäbigen Inszenierung, die sich zwischen Abfeiern und Abhängen nur selten zu humorvollen Szenen aufrafft, hätte allerdings ein höheres Tempo und eine stärkere dramatische Verdichtung gut getan. Die tragische Schlusswendung beschert dann aber doch einen Lichtschimmer in der eher tristen Bestandsaufnahme. Sie gibt dem Publikum die Hoffnung mit auf den Weg, dass wenigstens der sympathische Felix die Gruppenzwänge hinterfragt und kritischer über seine Zukunft nachdenkt.

    Von Reinhard Kleber, ddp

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