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  • Kritik: Eine Heidi für heute

    Mit wehendem Rock stürmt sie lachend den Berg hinauf und wirft sich übermütig ihrem Großvater, dem Almöhi, in die Arme. Wer kennt sie nicht, die kleine Heidi. Wer könnte nicht spontan die Titelmelodie des Filmklassikers summen.

    Noch im 125. Jubiläumsjahr des Bestsellers der Schweizer Autorin Johanna Spyri kommt eine moderne Zeichentrickfilm-Version in die deutschen Kinos. Die Geschichte des Waisenkindes, von der bösen Tante Dete verstoßen und von der Gouvernante Fräulein Rottenmeier tyrannisiert, rührt noch immer. Die Zeichnungen der modernen Fassung allerdings sind gewöhnungsbedürftig.

    Sie lassen die kleine Heidi erwachsener wirken. Die Produzenten ignorierten weitgehend das Kindchenschema, gaben ihrer Heidi kein so kugelrundes Gesicht und Kulleraugen wie in bisher bekannten Zeichnungen. Auch der Großvater wirkt mit seinem kantigen Gesicht etwas unsympathisch. Das will sich auch nicht recht ändern, als der alte Grantler seine Enkelin nach anfänglichem Zögern schließlich doch bei sich in den Bergen aufnimmt und ihr eine neue Heimat bietet.

    Die Geschichte kennt man spätestens seit der deutsch-japanischen Film-Serie aus den 70er Jahren: Heidi wird von ihrer Tante Dete zu ihrem schrulligen Großvater auf eine Alm in den Schweizer Alpen gebracht. Dort verlebt sie eine unbeschwerte Zeit. Ihre Tante reißt sie eines Tages wieder aus diesem fröhlichen Leben und schleppt sie nach Frankfurt. Dort soll sie bei der reichen Familie Sesemann die Spielgefährtin der an den Rollstuhl gefesselten Klara werden und selbst eine gesellschaftsfähige Erziehung bekommen. Die beiden Mädchen werden Freundinnen, doch Heidi wird vor lauter Heimweh nach dem Großvater und ihren geliebten Bergen krank. Sie darf zurückkehren und wird etwas später auch von ihrer Freundin Klara besucht, die durch das Bergleben und mit Heidis Hilfe ihre Krankheit überwindet.

    Die deutsch-kanadisch-britische Co-Produktion (Regie Alan Simpson) präsentiert das klassische Heidi-Thema mittels moderner Animationstechnik und neuem Sound. Dadurch wirkt auch die Handlung frischer und zeitgemäßer. Die Rollen werden von Jungstars wie Jimi Blue Ochsenknecht («Wilde Kerle») und Sidonie von Krosigk («Bibi Blocksberg») gesprochen.

    Die Geschichte arbeitet mit starken Antipoden: Die Alpenwelt des Großvaters ist Sinnbild der Natur und steht der industriellen Großstadt gegenüber. Frankfurt repräsentiert Fortschritt und Technik, aber auch Laster, Geldgier und Neid. Der Kontrast wird durch die moderne Animation noch verstärkt. Unverändert jedoch die Botschaft: ein Appell für ein naturverbundenes Leben und menschliche Werte wie Treue und Freundschaft. Auch, wenn man sich erst an das Aussehen der «neuen» Heidi gewöhnen muss, so verkörpert sie doch Mut, Kraft, Lebenslust und Herzlichkeit und kann auch heutigen jungen Zuschauern ein Vorbild sein.

    «Heidi» gehört zu den bekanntesten literarischen Figuren und prägte weltweit das Bild der Schweiz - und auch das von Frankfurt. In diesem Jahr wurde die Kinderbuch-Heldin 125 Jahre alt. Das erste der beiden Heidi-Bücher von Johanna Spyri (1827-1901) erschien nach Angaben der Zürcher Johanna Spyri-Stiftung Anfang 1880. «Heidi» wurde mehr als 100 Millionen Mal verkauft und in mehr als 50 Sprachen übersetzt. Spätere Generationen lernten die Geschichte oft nicht als Buch, sondern als Spiel- oder Trickfilm kennen.

    dpa

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