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  • Kritik: Einblick in deutsche Befindlichkeiten

    Ein Mann und eine Frau streiten sich. Sie stehen inmitten einer wenig reizvollen Landschaft. Man spürt, wie kalt es ist. Während der Mann - im Hintergrund nur schemenhaft sichtbar - seine Frau der Komplizenschaft mit irgendwelchen Verbrechern bezichtigt, geht sie weg und fragt sich, ob es im Leben eine zweite Chance gibt.

    Mit dieser irritierenden Szene - ein mögliches vorweggenommenes Ende - beginnt Carsten Fiebelers spannendes Psychodrama "Die Datsche". Bei den Hofer Filmtagen im letzten Jahr wurde der Abschlussfilm des Jungregisseurs der Hochschule für Film- und Fernsehen "Konrad Wolf" positiv aufgenommen.

    Opfer und Täter scheinen sich zu verbrüdern

    Um ihrer angeschlagenen Ehe neues Leben einzuhauchen, wollen Elke (Catherine Flemming) und Arnold (Michael Kind) sich von einem Stück ihrer DDR-Vergangenheit trennen und ihre Datsche verkaufen. Vor allem Elke sehnt sich danach, das Wochenenddomizil endlich loszuwerden, das für sie zum Symbol für Frust und Trostlosigkeit geworden ist. Ihr Mann Arnold hingegen hängt an jedem Stück des Inventars, das er mit seiner besseren Ost-Vergangenheit verbindet. Im Schlaf werden sie von zwei Einbrechern überfallen, die sich kurzerhand Geld und Auto schnappen und dann wieder verschwinden. Elke will den Zwischenfall zu einem kleinen Versicherungsbetrug nutzen, denn "... wann wird man denn schon mal überfallen" und fängt an, die Einrichtung zu zerstören. Lange schwelende Konflikte zwischen den Eheleuten brechen aus und münden in einer leidenschaftlichen Versöhnung im Liebesakt.

    Doch genau in diese Szene platzen die beiden Einbrecher, die nach einem gescheiterten Überfall Unterschlupf suchen. Der ältere Asche (Uwe Kokisch) hat eine Schusswunde, während der jüngere und unberechenbare Big (Nils Nelleßen) soeben einen Wachmann getötet hat. Das zweite Aufeinandertreffen führt nicht zuletzt wegen des kaputten Inventars und Elkes Unterstützung für die Verbrecher bei einer Polizeiaktion zu einer komplizenhaften Verbrüderung aller Beteiligten. Das Auftauchen des erwarteten Grundstücksmaklers stellt die neue Gemeinschaft auf eine gefährliche Probe und führt zu dramatischen Entwicklungen.

    Beklemmendes und spannendes Psychodrama

    Carsten Fiebeler ist mit seinem Spielfilmdebüt ein sehr beklemmendes und spannendes Psychodrama gelungen. Zwar verläuft die Inszenierung im Stil eines Kammerspiels. Doch die durch den Einsatz einer unspektakulären, aber sehr effektiven Kamera erzeugten Bilder lassen den Zuseher jede Stimmung intensiv empfinden, seien es die kalten Außenaufnahmen der trostlosen Landschaft, oder die beengende Atmosphäre der inneren Räume. Auf der anderen Seite liefert das straffe und schnörkellose Drehbuch das stimmige Pendant dazu. Es gibt keine Längen, kein überflüssiges Spektakel. Die schlüssige Zeichnung aller Charaktere und die Skurrilität einiger Szenen, die Raum für Komik lassen, sorgen für kurzweilige Unterhaltung.

    Film lebt durch seine Schauspieler

    Getragen wird der Film von seinen hervorragenden Schauspielern, allen voran Uwe Kokisch, der souverän und unprätentiös den älteren Gangster mimt. In der Rolle des Ehemanns überzeugt Michael Kind, und die Unberechenbarkeit eines jugendlichen Killers vermittelt hervorragend Nils Nelleßen. Doch die spannendste Interpretation liefert Catherine Flemming, an deren Mimik jede Gefühlsregung ablesbar ist. Gerade ihre Darstellung der ausbruchsbereiten Elke wird die Zuschauer begeistern.

    Angelika Piller, ddp

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