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  • Kritik: Ein Zug nach nirgendwo

    Mitten in der andalusischen Einöde liegt der «Strand der Zukunft», und das ist schon ein guter Witz. Nichts als flimmernde Hitze und Staub gibt es hier, dazu ein ausgestorbenes Kaff, ein Bahnhof im Nichts und dann und wann ein Zug, der wie eine Fata Morgana aus dem Dunst zu kommen scheint.

    An diesem unwirklichen Ort, der auch der Schauplatz eines lakonischen Italo-Westerns hätte sein können, kreuzen sich die Schicksale einer Handvoll Menschen. Da ist Jan (Peter Lohmeyer), der passionierte Koch, der seinen Kumpel Rudi (Hilmi Sözer) sucht. Wir begegnen Angie (Nina Petri), die ganz neu anfangen will, lernen den gestrandeten ungarischen Seemann László (Miklos Königer) kennen und Ana (Mariana Cordero), die traurige spanische Witwe. Allesamt wunderliche Glückssucher am Ende der Welt.

    Sieben Jahre nach seinem schönen Rail-Road-Movie «Zugvögel...Einmal nach Inari» mit Joachim Król als kauzigem Kursbuchfanatiker erzählt Regisseur Peter Lichtefeld wiederum die Geschichte einer Reise ins Ungewisse. Ruhig und bedächtig kommt auch der neue, keineswegs perfekte Film daher, mit lässiger Beiläufigkeit hält Lichtefeld die Fäden in der Hand, und manchmal verheddert er sich auch, landet auf dem Abstellgleis. Richtig böse wird man aber nicht, die verschrobenen Figuren und ihre liebenswerten Macken muss man einfach mögen.

    Es kommt auf die Kleinigkeiten an in Lichtefelds schwankendem Beziehungs-Mobile, die Blicke und Gesten sind wichtig. Es scheint so, als könnten der Koch Jan und die Aussteigerin Angie ein Paar werden. Da bahnt sich etwas an, sie sagt über den schlaksigen Typ: «Er ist der richtige Mann zur falschen Zeit».

    Aber Jan hat gerade erst eine Freundin gefunden, zuhause in Köln. Kati (Outi Mäenpää) war ewig mit Rudi zusammen, jetzt versucht sie ihr Glück mit Jan, dem ewigen Pechvogel, der in Andalusien steckt und vom Münzfernsprecher aus groschenweise Kontakt hält. Und Katis Eltern wollen auch noch ein Wörtchen mitreden. Mit «Inari Airlines» kommen sie nach Köln geflogen, die großartige Kaurismäki-Schauspielerin Kati Outinen spielt die verhärmte Mutter.

    So treffen sie sich und gehen wieder auseinander, brechen auf und bleiben stecken, und es passiert gar nicht so arg viel in diesem Film. Eine Bahnhofsgaststätte wechselt unter falschen Vorzeichen den Besitzer, ein Seemann will endlich weg aus der Wüste, gekocht wird auch noch. Es gibt Gelegenheiten im Leben, da kann eine perfekt zubereitete «Crema catalana» der Königsweg zum Glück sein.

    dpa

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