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  • Kritik: Ein Wahnsinniger und sein Meister

    Er war ein Wahnsinniger, ein rücksichtsloser Egomane, ein Wüterich: Klaus Kinski. In mehr als hundert Filmen hat er nur kleinere Rollen gespielt, weil ihn niemand länger als ein paar Tage ertragen konnte.

    Einzig dem Regisseur Werner Herzog ist es gelungen, den "wilden Mann" zeitweilig zu bändigen und in Werken wie "Fitzcarraldo" zu bedrohlich intensiven Leistungen zu bringen. In einem Dokumentarfilm setzt Herzog der Arbeit mit Kinski (1926-1991) nun ein sehenswertes und aus der weisen Distanz des Rückblickenden auch unerwartet friedfertiges Denkmal. "Mein liebster Feind" lautet der vielsagende Titel.

    "Er war vielleicht der größte Schauspieler aller Zeiten", meint Herzog heute über Kinski. Er sei aber auch "eine Pestilenz" gewesen, ein gefährlicher Verrückter, der jedem das Leben zur Hölle machen konnte. Beide hätten immer wieder geplant, den anderen umzubringen. "Einmal wollte ich sogar Kinskis Haus anzünden", berichtete Herzog im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes, wo sein Film mit sehr gutem Echo uraufgeführt wurde. "Das scheiterte aber, weil sein Schäferhund so wachsam war."

    Fünf großartige, extreme Filme rangen sich Herzog und Kinski in 15 Jahren gegenseitig ab: "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972), "Nosferatu" (1978), "Woyzeck" (1979), "Fitzcarraldo" (1981) und "Cobra Verde" (1987). Sowohl der Regisseur als auch der Hauptdarsteller haben diesen Werken internationalen Ruhm zu verdanken. In "Mein liebster Feind" wird auch klar, warum in der Kombination des eher leisen und besonnenen Herzog mit dem Exzentriker überhaupt etwas zustandekommen konnte: Sie beide waren Besessene - Kinski besessen von seinem größenwahnsinnigen Selbst, Herzog von seiner Vision eines Filmes und seinem Willen, dem "Kraftwerk Kinski" Außergewöhnliches abzuverlangen. Herzog: "Ich musste ihn so nehmen wie er war. Das Einzige, was zählt, ist das, was man später auf der Leinwand sieht."

    "Mein liebster Feind" zeigt außergewöhnliches Hinter-den Kulissen- Material, kombiniert mit einer angenehm sentimentalen Erinnerungsreise Herzogs zurück an die Schauplätze seiner Kämpfe mit Kinski und Interviews mit Drehkollegen wie Eva Mattes ("Woyzeck"). "Vor wichtigen Szenen habe ich ihn manchmal mit voller Absicht provoziert", erinnert sich der heute 57 Jahre alte Filmemacher an seine Kontroll-Tricks. "Wenn er dann stundenlang getobt hatte, war er vor der Kamera perfekt. Ganz leise und gefährlich."

    Herzogs entspannter Erzählton steht in aberwitzigem Kontrast zu den Szenen, die seinen Star bei nicht enden wollenden Wutausbrüchen und wüsten Beleidigungen zeigen. Aber, und das ist die eigentliche Überraschung dieses Films, auch Kinski hatte eine sehr sanfte, freundschaftliche Seite. Er wusste wohl, dass es keinen Zweiten gibt, der es wie Herzog mit ihm aufnehmen könnte.

    Nach der Kinski-Phase hat der seit Jahren in den USA lebende Werner Herzog bisher keinen bedeutenden Spielfilm mehr gedreht. Dass sein Faible für Extremsituationen ungebrochen ist, belegen viele seiner Dokumentarfilme, die im Fernsehen und auch als Kinoversionen zu sehen waren. So klingen in "Mein liebster Feind" auch Wehmut und Trauer an. Die letzte Szene zeigt den Wüterich Kinski, wie man ihn noch nie gesehen hat: Riesige Schmetterlinge flattern um seinen Kopf, lassen sich auf seinem Gesicht nieder. Und der so zart Umschwärmte strahlt wie ein glückliches Kind.

    Karin Zintz, dpa

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