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  • Kritik: "Ein Vater zuviel" und "Noch einmal mit Gefühl"

    Frankfurt/M (AP) Robin Williams, Billy Crystal und Bette Middler sind tragende Säulen dessen, was in Hollywood als lustig gilt. Alle drei sind klein von Wuchs und mit außerordentlicher komischer Begabung ausgestattet. Das haben sie in etlichen Filmen zur Freude des Publikums unter Beweis stellen können. Bei den gleichzeitig in den deutschen Kinos anlaufenden Komödien "Ein Vater zuviel" und "Noch einmal mit Gefühl" können aber auch die drei Lachspezialisten nicht erfolgreich gegen fade Geschichten, müde Gags und altbackene Inszenierungen anspielen.

    Die von Routinier Ivan Reitman inszenierte Komödie "Ein Vater zuviel" zeigt Williams und Crystal als sehr verschiedenartige Männer mit gemeinsamer amouröser Vergangenheit in Gestalt der von Nastassja Kinski gespielten Collette. Die offenbart sowohl dem Erfolgsanwalt Jack, so lässig wie lustlos verkörpert von Billy Crystal, wie auch dem Pseudoschriftsteller Dale, den Williams darstellt, daß sie einen 17jährigen Sohn hat. Und der soll mal von Jack, mal von Dale stammen. Denn Collete will beide Gespielen aus wilden Jugendtagen zur Suche nach ihrem verschwundenen Jungen motivieren.

    Das ist eine etwas konstruierte, doch hübsche Grundsituation, die Hollywood dem französischen Erfolgsfilm "Zwei irre Spaßvögel" aus den achtziger Jahren entlehnt hat. Aber was folgt, ist selten lustig, aber fast ständig lieblos, ohne jede Inspiration und Formwillen heruntergedreht. Wenn die Lebenswelt des flüchtigen Sohnes gezeigt wird, stellt sich das Gefühl ein, hoffnungslos verknöcherte Leute wollten all ihre Vorurteile über die Entwicklung der heutigen Jugend loswerden. Und wie der gnadenlos alberne Williams diesmal Komik zelebriert, war schon vor zwanzig Jahren Klamotte und ist mittlerweile nur noch schlicht peinlich.

    Altbacken ist auch "Noch einmal mit Gefühl" geraten. Carl Reiner, ein weiterer Komödien-Routinier, konnte der Versuchung nicht widerstehen, einen Skript der "Mrs. Doubtfire"-Autorin Leslie Dixon zu realisieren. Da "Mrs. Doubtfire" ein Welterfolg war, wurde gleiches auch von "Noch einmal mit Gefühl" erhofft. Daß diese Hoffnung trog, hat auch mit der Hauptdarstellerin Bette Midler zu tun, die sich ihre Hauptrolle in dem Film maßschneidern ließ und dabei vergaß, daß gute Komödien so einfach nicht funktionieren.

    Das kleine Temperamentbündel mit der großen Oberweide ist in Amerika sicherlich populär genug, um zur Not im Alleingang einen Film zu tragen. Doch auch Middler kann die pfiffig angelegte, aber leider nur turbulente statt witzige Geschichte nicht retten: Sie spielt die gegen Übergewicht kämpfende Schauspielerin Lilly, die bei der Hochzeit ihrer Tochter gezwungenermaßen mit Dan, deren Vater und ihrem geschiedenen Mann, zusammentrifft. Sowohl Lilly wie Dan haben neue, durchaus attraktive Partner. Doch dann funkt es plötzlich wieder gewaltig zwischen dem früheren Ehepaar. Und das schafft Verwicklungen, die sich über 105 Minuten hinziehen.

    Weil die Komödie zwar ab und an Tempo, aber nie Dynamik entwickelt, erscheint dem Zuschauer selbst Bette Middler bald als nervende Quasselstrippe. Wenn dazu ohne Ende über Sex gesprochen wird, aber über jedes Fitzelchen nackte Haut verkrampft die Bettdecke gezogen wird, wirkt das verklemmt. Das sah offenbar auch das Publikum über dem Teich so und ließ "Noch einmal mit Gefühl" ebenso wie "Ein Vater zuviel" glatt durchfallen.

    Einspielergebnisse sind keineswegs ein untrüglicher Beweis für mangelnde filmische Qualität. Sie können aber bei diesen beiden Streifen doch als den Geldbeutel schonender Fingerzeige für deutsche Kinogänger betrachtet werden. Hollywood schickt eben auch seine Ladenhüter auf fremde Märkte. Aber wer braucht schon biedere Komödien von dort, wenn es davon einheimische bereits mehr als genug gibt.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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