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  • Kritik: Ein Traum von Film und Theater

    Am Anfang wollte er sein wie Robert De Niro. Er stand vor dem Wohnzimmerspiegel, entsicherte eine Spielzeugpistole und schrie die Rolle des Travis in �Taxi Driver� aus sich heraus. Es ist eine harte Szene. Die Kamera im Hintergrund fängt ein, wie die Eltern des angehenden Schauspielschülers Prodomos Antoniadis irritiert auf ihrem Sofa sitzen.

    Sie starren ihren Sohn an, der gerade Travis war, und wirken ein wenig hilflos. Wer steht vor ihnen? Es ist eine der Schlüsselszenen in Andres Veiels Dokumentarfilm �Die Spielwütigen�. Warum, fragt auch der Regisseur, wollen vier junge Leute unbedingt Schauspieler werden?

    Für seinen Film hat Veiel (�Black Box BRD�) die angehenden Mimen sieben Jahre lang mit der Kamera begleitet - von der Aufnahmeprüfung an der renommierten Berliner Schauspielschule Ernst Busch über harte Bewährungsproben bis zu den ersten Engagements. Sein Film ist zum Publikumsliebling der diesjährigen Berlinale geworden. Das liegt sicher an der berührenden Offenheit der porträtierten Schauspieler. Doch es mag auch der Charme von realen Entwicklungsgeschichten sein, wie sie nur Langzeit-Dokumentationen bieten können: �Die Spielwütigen� ist auch ein Film über das Erwachsenwerden, ein eigenwilliges deutsches Generationenporträt.

    Schauspieler zu sein, das ist für die vier Abiturienten in Veiels Film etwas anderes als der Gedanke an glanzvolle Premieren oder ein Star-Dasein. Der Regisseur zeigt, wie die Sehnsucht nach der Bühne aus dem tiefen Inneren kommt und zu etwas Leidenschaftlichem und Existenziellen wird. �Ich könnte nie in ein Büro gehen�, sagt Constanze Becker mit einer Reife, die sie älter erscheinen lässt als 19 Jahre. In den Augen ihrer Eltern ist plötzlich die Angst zu sehen, dass sie es wirklich ernst meinen könnte, mit der Schauspielerei.

    Der Regisseur fängt sehr persönliche Momente seiner vier Helden ein, Augenblicke, in denen Zweifel und Ängste an ihnen nagen. Doch die Kamera beleuchtet auch die Hoffnung und die Freude, die sie in sich tragen. �Ich schaffe das. Die müssen mich nehmen�, sagt die 20- jährige Stephanie Stemmler noch nach dem 27. erfolglosen Vorsprechen. Es ist eine Szene, in der Tragik und Komik so dicht nebeneinander liegen wie bei einem guten Theaterstück.

    Stephanie Stemmler wird es schaffen. Ihren Weg kann der Kinozuschauer verfolgen, angerührt von Hilflosigkeit und Naivität, beeindruckt von Willensstärke. Der Betrachter wird förmlich hineingesogen in den Kraftakt, die gefühlte Berufung zum Beruf zu machen und auch die eigene Rolle zu finden. Es ist wie eine Ironie des Films, dass die Spielwütigen ihren Dokumentarfilmer zum Schluss hinter sich zurücklassen. �Je mehr ich Schauspielerin wurde, desto weniger wollte ich vor der Kamera nur ich sein�, sagt Karina Plachetka. �Ich wollte spielen.�

    dpa

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