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  • Kritik: Ein Käfig voller Nervensägen

    äb's keinen Knast, fürs Kino müßte man ihn erfinden - es ist der ideale Ort, um menschliche Dramen und Komödien zu inszenieren. Dank zahlloser Knastfilme weiß man über Häftlinge inzwischen fast besser Bescheid als über Durchschnittsmenschen. Dabei ist - wie Peter Zinglers Komödie "Alles nur Tarnung" vorführt - der Unterschied offenbar gar nicht so groß. Genau mit dieser Blickrichtung erzählt der sachkundige Regisseur - er saß wegen Einbruchs selbst zwölf Jahre - die Geschichte einer ganz speziellen Familienzusammenführung. Langzeithäftling Willi Butzbach bekommt unerwartet einen neuen Zellengenossen: Sohn Harry (Ben Becker), der seinen Vater als vermeintlichen Großgangster verehrt. Harry hat mit Freundin Marlies (Muriel Baumeister)

    einen Benz geklaut und sich dabei erwischen lassen. Nun sitzt er seinem Erzeuger gegenüber, während Marlies ein Stockwerk tiefer bei der Prostituierten Jutta (Elke Sommer) logiert.

    Die Alteingesessenen haben sich das Leben hinter Gittern perfekt eingerichtet: Das Kaffeewasser erhitzt ein Tauchsieder, den Willi aus der Zellenbeleuchtung gebastelt hat. Bei Jutta gibt's für Tabak Telefonsex per Kanalisation - ein echt schmutziges Geschäft. Das gemütliche Leben, vertraut Vater Butzbach dem zunächst schwer beeindruckten Harry an, sei nur Tarnung für neue Coups. Doch je mehr Willi von Banküberfällen à la Capone schwadroniert, um so deutlicher dämmert es Harry, daß sein Vater nicht mehr ist als ein spießiger Kleinganove. Man arrangiert sich halt. Die Risikofreudigkeit beschränkt sich aufs Naheliegende: Zu Weihnachten wollen sich die Herren in die Zelle von Jutta und Marlies durchwühlen und mit selbstgebranntem Schnaps ordentlich feiern.

    Deutsche Schauspielerprominenz adelt Zinglers Strafvollzug-Groteske, allen voran eine souveräne Elke Sommer in Schlampenrolle. Neben Mario Adorf und Ben Becker gibt Heinz Hoenig den durchgeknallten Häftling Prottengeier, Narbengesicht Claude-Oliver Rudolph spielt einen Fiesling namens Schleimer. Martin Semmelrogge alias Heinzi kann für seine Rolle bekanntlich auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. In einer ungewöhnlichen Mischung aus Kompetenz und Wahnsinn rettet dieses Staraufgebot einen Film, der mehr kalauert, als daß er wirklich komisch ist. Regisseur Zingler, renommierter TV-Drehbuchautor und Grimme-Preisträger für die "Tatort"-Folge "Kinderspiel", erfuhr bei seinem Regiedebüt auf die heitere Tour, was Arbeit mit Schauspielern auch bedeuten kann: "Ich hätte nie gedacht, daß erwachsene Menschen so pubertär sein können."

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