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  • Kritik: Ein grünes Ding geht ans Herz

    Wer Shrek heißt, verspricht kein einnehmendes Wesen zu haben. Tatsächlich ist die Hauptfigur des amerikanischen Trickfilm-Hits alles andere als ein strahlender Held.

    Shrek ist grob, von riesiger Ungestalt und Furcht einflößend. Er lebt allein in den Waldsümpfen, wo er sich ungestört seinen schrecklichen Essgewohnheiten hingeben kann. Begegnet der Oger den Rittern des kleinwüchsigen Tyrannen Lord Farquaad, dann kommen die Behelmten schnell ins Laufen.

    Gut geplündert bei den Brüdern Grimm

    Alle haben sie Angst vor dem schrecklichen Shrek, doch einer nicht: ein Esel, der nicht nur wunderlicherweise sprechen kann, sondern auch gar nicht aufhören will, das Maul zu bewegen. da wir in einem Märchen made in Hollywood sind, entwickelt sich zwischen dem ungleichen Paar eine ereignisreiche Freundschaft, die besonders für kleine Zuschauer 90 Minuten rasante Unterhaltung bietet. Dafür haben über 275 Künstler, Computer-Animatoren und Ingenieure fast drei Jahre an 31 Sequenzen und 1.288 Einstellungen gearbeitet.

    Der Aufwand hat sich gelohnt, denn in den USA ist der Film überragend erfolgreich gelaufen. Was keineswegs verwunderlich ist, zielt doch Inhalt wie Machart treffergenau auf jenes kindliches Gemüt, das nicht nur den Kindern vorbehalten ist. Sorgt das Verhältnis zwischen dem kolossalen Oger und dem eloquenten Esel für die komischen Momente, so ist die Liebesgeschichte zwischen Shrek und der aus der Drachenburg befreiten Prinzessin Fiona, die nur tagsüber wunderschön ist, für die romantische Note. Und an dem Zwerg-Lord findet die Schadenfreude des Publikums ein dankbares Objekt.

    Perfek choreografierter und kalkulierter Streifen

    Dazu werden nebst den sechs Hauptfiguren der Handlung über 100 individuell gestaltete Nebenfiguren präsentiert, darunter auch die berühmtesten Helden der Gebrüder Grimm wie Schneewittchen und Aschenputtel. Das kann man als skrupellose Plünderung eines Kultur-Imperialismus betrachten, der alles verwertet, was Profit zu machen verspricht, also auch die Märchen und Mythen der Völker. Man kann es aber auch so sehen wie Mitproduzent Aaron Warner: "Nichts ist heilig; jedes Märchen kriegt sein Fett ab. Diese Figuren sind reif für eine Parodie, denn sie sind sozusagen ein Teil des kosmischen Bewusstseins."

    "Shrek" wird als der erste computeranimierte Märchenfilm angepriesen, also die Versöhnung von Technik und Romantik. Das hat seinen Reiz, wie ja auch der Publikumserfolg beweist, aber auch seinen Preis. Denn der Zauber des "Es war einmal" ist keine Sekunde in diesem actiongeladenen, perfekt choreografierten und kalkulierten Streifen, der zweifellos ein weiterer Meilenstein im Genre des Trickfilms darstellt.

    28.186 Bäume mit drei Milliarden Blättern

    So entwickelte die Herstellerfirma zum Beispiel für den Film eine Art "digitales Gewächshaus", um damit 508 Einstellungen mit Bäumen zu schaffen. "In diesen Einstellungen gibt es insgesamt 28.186 Bäume mit rund drei Milliarden Blättern, was aneinander gereiht der vierfachen Entfernung zwischen Erde und Mond entspricht." Das hört sich so beeindruckend an wie die Einspielergebnisse in den USA und sicherlich bald auch hier zu Lande. Aber wem die Märchen noch im alten Stil, also vorgelesen oder mit betulichen Filmen, nahe gebracht wurden, der wird "Shrek" mit einer gewissen Traurigkeit verlassen. "Es war einmal", aber von nun an wird es wohl ganz anders sein.

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