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  • Kritik: Ein Glücksfall von Film

    So ergreifend wie es Oskar Roehler in seinem Film "Die Unberührbare" geglückt ist, haben nur wenige Regisseure das Psychogramm einer Frau gezeichnet. Vielleicht liegt das auch daran, dass seine Hauptfigur Hanna Flanders in Wahrheit seine eigene Mutter beschrieben hat, die Autorin Gisela Elsner.

    Diese Rolle hat er Hannelore Elsner anvertraut, die trotz des Familiennamens nicht mit der 1992 gestorbenen Schriftstellerin verwandt ist - eine Rolle im Charakterfach, wofür ihre Kritiker die 55-Jährige, die oft als reife attraktive Frau für TV-Serien gebucht wird, bisher kaum empfehlen mochten.

    Es ist die Rolle ihres Lebens, und Hannelore Elsner ist nach Feiern zumute: "Glücklich, stolz und fassungslos" sei sie angesichts der Aufgabe, die letzten Wochen im Leben der Schriftstellerin Gisela Elsner zu verfilmen. "Alles was ich mir so vorgestellt, manchmal auch bloß erträumt habe, ist jetzt sichtbar. Ich habe so etwas noch nie erlebt", sagte sie jüngst im Gespräch.

    Für die 55-Jährige war es eine Herausforderung, die Autorin zu verkörpern, die als orthodoxe Sozialistin in den Tagen der Studentenbewegung Ruhm und hohe Auflagen verbuchen konnte. Später wurde sie gänzlich ignoriert und verfiel der Tablettensucht. Nach dem Fall der Mauer, der ihre Illusionen zerstörte, beging sie Selbstmord.

    In schwarz-weißen Bildern zeigt Roehler das Alter Ego seiner Mutter - gehetzt von der eigenen Vergangenheit als Kultfigur der APO, geht sie nach dem Fall der Mauer nach Berlin, verliert sich in zufälligen Begegnungen, trifft den Liebhaber von einst (Vadim Glowna) und sieht die Eltern (Helga Göhring und Charles Regnier) wieder - aber auch das wird ein Fiasko. Winzige Ausschnitte aus mehr als fünf Jahrzehnten Leben genügen Roehler dabei, um die ganze Geschichte zu erzählen.

    Das Filmteam wollte die Schriftstellerin zunächst "egozentrisch, unversöhnlich und ziemlich unweiblich zeigen", erzählte Elsner. Sie selbst aber sei nach einer "bewusst sparsamen Recherche" zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei Gisela Elsner "vielmehr um eine zarte, zerbrechliche Person gehandelt hat. Und weil ich meine Figuren, ob nun fiktive oder reale, grundsätzlich nicht denunziere, habe ich mich schließlich durchgesetzt. Notfalls mit Gebrüll."

    Das hat dem Film und mehr noch Hannelore Elsner genützt. Die Schauspielerin zeichnet das sensible Porträt einer am eigenen Anspruch zerbrechenden Intellektuellen und erzählt in unendlichen mimischen Nuancen davon, wie einer Frau der feste Boden unter den Füßen entzogen wird.

    "Für mich war diese Arbeit etwas, woran ich den Glauben schon fast verloren hatte", sagte die 55-jährige Darstellerin, "es war die Rolle meines Lebens. Ein pathetischer Begriff, ich weiß, und ich habe ihn auch noch nie benutzt. Jetzt aber habe ich einen Grund dafür."

    Daniel Rot, dpa

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