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  • Kritik: Ein globaler Schutzengel kehrt zurück

    Er ist wieder da. 18 Jahre nach seinem letzten Auftritt in Richard Donners «Superman» (1978) - damals spielte Christopher Reeve die Hauptrolle - kehrt der Held im blauroten Outfit zurück auf die Leinwand. Und dies war keine leichte Geburt.

    Über Jahre hinweg waren Regisseure wie Tim Burton, Wolfgang Petersen und Brett Ratner mit dem Projekt befasst, allein die Entwicklungsphase verschlang 40 Millionen US-Dollar (knapp 31,2 Millionen Euro). Schließlich hat Regisseur Bryan Singer («X-Men», «Die üblichen Verdächtigen») mit einem Budget von mehr als 220 Millionen Dollar (171,4 Millionen Euro) die lang erwartete Rückkehr des uramerikanischen Helden in Szene gesetzt. Sein Fantasy- Epos ist wesentlich düsterer, nachdenklicher und melancholischer ausgefallen als die Vorgänger. «Superman Returns» fehlt so über weite Strecken die spielerische Leichtigkeit, der Charme und auch eine gewisse Selbstironie - Eigenschaften, die einer Comicverfilmung immer gut zu Gesicht stehen.

    Der «Mann aus Stahl» (Newcomer Brendan Routh), dessen Heimatplanet Krypton zerstört wurde, kehrt nach fünf Jahren Abwesenheit auf die Erde zurück und landet bei seiner Adoptivmutter Martha Kent (Eva Marie Saint) im Mittleren Westen. Einmal noch schläft er in seinem alten Zimmer, der Sternenhimmel an der Decke funkelt. Ein magischer Moment, ganz zu Beginn. Der kosmische Obdachlose findet Unterschlupf im einsamen Farmhaus in Kansas. Aber schon der Trümmerberg bei seiner Notlandung weist eine gewisse Ähnlichkeit mit den skelettierten Überresten des World Trade Centers nach dem 11. September 2001 auf. Auch Superhelden haben ihre Unschuld längst verloren. Das ungestüme Springen durch die Maisfelder ist nur noch eine ferne Erinnerung.

    Diabolischer Glatzkopf mit viel Spaß an der Karikatur

    Als Reporter Clark Kent kehrt er in das im erlesenen Art-déco-Look strahlende Metropolis zurück, nimmt seinen alten Job beim «Daily Planet» wieder auf und muss feststellen, dass seine große Liebe Lois Lane (Kate Bosworth) mittlerweile mit dem Journalisten Richard White (James Marsden) liiert ist und einen Sohn hat. Aber Brendan Routh gibt den linkischen Außenseiter Clark viel zu brav und bieder, ihm fehlt Schlagfertigkeit, Humor und alles Draufgängerische. Zwischen Routh und Bosworth funkt es einfach nicht, die Love-Story kommt nie wirklich in Gang, bleibt immer nur problembeladene Erinnerung.

    Zum Glück kommt bald der Erz-Schurke Lex Luthor ins Spiel. Kevin Spacey spielt den diabolischen Glatzkopf mit viel Spaß an der Karikatur. Dieser opernliebende Megaverbrecher mit Hang zur Weltherrschaft ist auf seiner grotesk großen Yacht, umgeben von Knallchargen und seiner schrägen Kumpanin Kitty Kowalski (Parker Posey) inklusive Schoßhündchen. Halunken sind halt im Zweifelsfall immer interessanter als die Guten.

    Da kann einem der Superheld leid tun

    Da kann einem der Superheld schon ein wenig leid tun. Er übernimmt den Part des global agierenden Schutzengels, der alle Hände voll zu tun hat. Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall oder die Rettung von Metropolis vor dem Untergang - der Freund und Helfer im blauen Strampelanzug muss in spektakulären Actionszenen immer wieder ran. Und nachts hört er mit seinen Superohren das Flehen der gesamten Menschheit.

    Aber richtig patriotisch darf er nicht mehr sein. Er fühlt sich nicht mehr der «Wahrheit, Gerechtigkeit und amerikanischen Lebensart» verpflichtet, sondern spricht nur von «Wahrheit, Gerechtigkeit und dem ganzen Kram». Die Drehbuchautoren Michael Dougherty und Dan Harris bestätigten, dass dies eine bewusste Entscheidung gewesen sei. «Wir haben von Anfang an gezögert, den Begriff "amerikanische Lebensart" zu verwenden, denn seine Bedeutung ist heute etwas unklar.» Die Zeiten haben sind geändert, auch für Superhelden.

    Nach über zwei Stunden driftet die Figur in metaphysische Höhen ab, fungiert als eine Art globaler Schutzengel. «Ich bin immer da», sagt er einmal zu Lois. Und wir ahnen längst, dass deren Sohn ein Kind von Superman ist. Aber er bleibt Außenseiter bis zuletzt, als er unerkannt am Bett seines schlafenden Sohnes steht. Die religiösen Implikationen sind überdeutlich. Im pathetischen Finale dieser überambitionierten Comic-Verfilmung schwebt der Superheld christusgleich mit ausgestreckten Armen in den Himmel, dazu donnern Orchesterklänge.

    dpa

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