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  • Kritik: Ein Film mutiert

    Der schiffbrüchige Mr. Douglas hat keine Ahnung, wo er eigentlich gelandet ist, und ähnlich ergeht es dem Zuschauer. Eine Insel auf jeden Fall, irgendwo im Pazifik, auf der ein gewisser Dr. Moreau wohnt. Erste Beobachtungen der Tierwelt verführen zu dem Schluß, dies sei vielleicht der Planet der Affen. Später glaubt man an eine Strafkolonie für Schauspieler, die wegen Talentlosigkeit aus 'Cats' gefeuert wurden. Noch später weiß man: Dies ist die Insel des fröhlichen Irrsinns, und das paßt immerhin zum Thema.

    Dr. Moreau (Marlon Brando) ist der Mann, der Gott spielen wollte. Der Schriftsteller H. G. Wells hat ihn vor hundert Jahren erfunden: Der Urvater aller mad scientists, ein Genmanipulator auf der Suche nach der perfekten friedlichen Spezies; der Schöpfer von schrecklichen Mutanten, halb Mensch, halb Schwein, Hyäne und Ziegenbock. Was bedeutet schon ein falsches Horn und ein überflüssiger Huf, sagt Moreau, wenn nur das Wesen der Rasse rein sei. Das ist es aber auch nicht, denn irgendwann lehnen sich die gepeinigten Wesen gegen ihn auf.

    Das alles muß einmal prophetische Kraft gehabt haben, die man nun, im Zeitalter von Gensplitting und Sojabohnenpanik, durchaus würdigen könnte. Die Schauspieler merken allerdings schnell, wo das wirkliche Problem liegt: Tausend B-Pictures und Troma-Filme haben das Terrain längst besetzt, ausgebeutet und dem Gelächter freigegeben. Was immer die Akteure auch tun, sie wirken komisch.

    Da hilft nur, müssen sie gedacht haben, die Flucht nach vorn. Brando trägt ein schneeweißes Make-up, ein andermal einen Eimer auf dem Kopf, in den seine Diener Eiswürfel füllen. Val Kilmer, der seinen Assistenten spielt, gibt eine Brando-Parodie, bevor er sich umbringt. Und David Thewlis, der als gestrandeter Mr. Douglas in den ganzen Wahnsinn verwickelt wird, rollt beängstigend mit den Augen.

    Auch die Dreharbeiten in Australien, heißt es, müssen der reinste Irrsinn gewesen sein: Der Regieveteran John Frankenheimer hat den Film übernommen, als der Newcomer Richard Stanley gefeuert wurde. Es gelingt ihm noch, den Schein einer kohärenten Erzählung zu wahren, doch täuschen kann er uns damit nicht: Dieser Film ist selbst ein Mutant, und die natürliche Auslese, die im Kino genauso waltet wie in der Natur, wird sich schon bald seiner annehmen.

    TOBIAS KNIEBE THE ISLAND OF DR. MOREAU, USA 1996 - Regie: John Frankenheimer. Buch: Richard Stanley, Ron Hutchinson. Kamera: William A. Fraker. Schnitt: Paul Rubell. Musik: Gary Chang. Darsteller: Marlon Brando, Val Kilmer, David Thewlis, Fairuza Balk, Daniel Rigney. Verleih: Constantin. 97 Minuten.

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