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  • Kritik: Ein Film, der die Welt zeigt, wie sie sein könnte...

    Hamburg - Eigentlich sind sie ein Traumpaar: Die blonde Geschäftsfrau Maria und Christian, der verträumte Antiquitäten- Händler - Liebe auf den ersten Blick, Romantik und baldige Hochzeit. Happy End beim Ja-Wort in Weiß? Keineswegs, das Leben geht weiter, mit Alltag, Frust, mit einem kleinen Ausrutscher, Streit und Versöhnung.

    Der österreichische Schauspieler und Regisseur Gabriel Barylli ("Honigmond") wollte einen Film über die Liebe machen. Einen Film, der die Welt nicht zeigt, wie sie ist, sondern wie sie sein könnte, eine Phantasie, ein Märchen. Das Ergebnis heißt "Wer liebt, dem wachsen Flügel".

    Dafür schuf er ein gegensätzliches Paar, das seine unterschiedlichen Welten zusammenzubringen versucht - ein Problem, an dem im wirklichen Leben nicht wenige moderne Beziehungen scheitern. Auch in Baryllis Film fliegen schließlich die Fetzen, und die guten Kristallgläser aus dem Fenster. Karrierefrau Maria setzt Christian nach einem vermeintlichen Sündenfall vor die Tür und will ihn nicht mehr sehen. Fortan kämpft er um die Liebe, mit aller Kraft, und nimmt dabei in Kauf, daß ihn seine Frau und die Welt für lächerlich halten.

    "Man muß sich selbst daran erinnern, daß die Liebe das einzige ist, was uns am Leben erhält", sagt Barylli. So setzt er seinen Film einer Zeit entgegen, deren größter Irrtum nach seiner Ansicht die "Coolness" ist. Cool ist Baryllis Film nicht, er zeigt vielmehr eine recht heile Welt ohne schrille Mißtöne, in der hübsche Menschen zwischen Kirschblüten und Zuckerwatte, im Riesenrad und Luxushotel Gefühle zeigen.

    Konsequent läßt Barylli die gesamte Handlung um das Liebespaar kreisen, gut gespielt von Lisa Martinek ("Härtetest") und Heio von Stetten ("Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit"). Überraschend sind die Nebenfiguren, wegen der durchaus überzeugenden Besetzung durch bekannte Fernseh-Gesichter: Verona Feldbusch als intriganter Vamp und Nina Ruge als Chefin eines Begleitservice, die weiß, was einsame Frauen brauchen.

    "Wer liebt, dem wachsen Flügel" ist ein klassischer unterhaltsamer Liebesfilm geworden, der ein wenig an US-Liebeskomödien erinnert. Trotz der eher konventionellen Handlung ist er nicht süßlich, aber ihm fehlt ein wenig die Tiefe. Das Paar ringt um sein Liebesglück, allen widrigen Umständen der heutigen Welt zum Trotz. Das ist das Entscheidende. Szenen, in denen die Ehefrau ihren Gatten mit einem Blondchen im Bett antrifft, stören da nur - zumal es sich dabei um das schon hundertmal gesehene Mißverständnis a la Hollywood handelt.

    Für einen wirklichen Aufruf zu mehr großem Gefühl in einer pragmatisch-unterkühlten Zeit hätte es mehr Mut zu Leidenschaft und Überzeichnung gebraucht. Am Ende ruft Christian aus: "Wenn wir an Punkt, an dem unsere Wege sich kreuzen, einen gemeinsamen Raum schaffen, dann reißten wir die Türe auf zu einem Universum, das es noch nie gegeben hat." Vielleicht hätte Barylli die Tür etwas weiter aufreißen sollen.

    Christiane Hellwege, dpa

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