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  • Kritik: Ein Boxer mit Herz

    Berlin. Daniel Brühl ist der Shootingstar 2003. In "Good Bye, Lenin!" ist der Schauspieler zum ersten Mal Teil einer Produktion, die auch international Beachtung findet - zuvor spielte der 24-Jährige ("Nichts bereuen", "Das weiße Rauschen") vorwiegend Rollen in Filmen, die sich einem breiten Publikum verschließen.

    Auch "Elefantenherz" ist so ein Film. Zu dem Familien- und Selbstfindungsdrama im Boxer-Milieu dürfte nicht jeder leicht Zugang finden. Obwohl Brühl abermals beweist, dass er zu den wirklich großen Talenten des deutschen Filmnachwuchses gehört.

    "Ich muss hier raus."

    In "Elefantenherz" spielt der Kölner den 19-jährigen Marko, der unter einem äußerst schwierigen Familienleben zu zerbrechen droht. Vater Axel (Jochen Nickel) ist Alkoholiker und tyrannisiert Markos Mutter Renate (Angelika Bartsch) und die 13-jährige Schwester Verena (Luana Bellinghausen). Gewaltvolle Exzesse und halbherzige Selbstmordversuche wechseln sich ab - der Sohn fungiert nicht selten als Schlichter.

    "Ich halte es hier nicht mehr aus, Mama", verkündet Marko eines Tages. "Ich muss hier raus." Die Gelegenheit dazu bietet ihm der halbseidene Geschäftemacher Gerd Hermsbach (Manfred Zapatka), der ein eigenes Trainingscenter hat und Marko eine Karriere als Profiboxer anbietet. Bislang hatte Marko bei den Amateuren trainiert: Ohne großartige Technik prügelte er seine Gegner nieder und stieg meistens als Sieger aus dem Ring. Wut trieb den Jungen an, der schon früh die Schule schmiss und sich als Fensterputzer verdingte.

    Stoff ist schwer vermittelbar und klischee-lastig

    Nun lässt er sein altes Leben, die Familie, die Duisburger Sozialwohnung und den besten Kumpel Bülent (Erhan Emre) hinter sich, um sich ganz in die Hände Hermsbachs zu begeben. Als sich die Ziele, die der berechnende Unterweltboss für seinen mutmaßlichen Schützling hegt, als nicht halb so glorreich erweisen, wie angenommen, muss Marko eine Entscheidung treffen.

    Der Stoff von Züli Aladags Regiedebüt ist nicht nur wegen des Außenseitersports Boxen schwer vermittelbar, sondern auch durchsetzt von gängigen Klischees. Die zerrüttete Familie, die nur dank des Sozialamtes überlebt, treibt ihren jugendlichen Sohn von der Schule und in ein Milieu, in dem er seine Wut, seine Verzweiflung verarbeiten, nicht aber sein Leben ändern kann.

    Bayerischer Filmpreis für die beste Kamera

    Der Film bekam den Bayerischen Filmpreis für die beste Kamera. Das Schauspieler-Ensemble lässt sich auf die Geschichte ein. Und auch Aladags Beschreibung des Boxer-Milieus ist detailgenau und authentisch. Dennoch wird "Elefantenherz" das Kinopublikum wohl kaum in seiner vollen Breite erreichen.

    Alexandra Pilz, ddp

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