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  • Kritik: Ein Arktik-Thriller, der keinen kaltläßt

    München (AP) "Smilla ist eine der besten Frauenfiguren der letzten Zeit", meint Produzent Bernd Eichinger. Vier Wochen drehte die Film-Crew des Thrillers "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" als wohl erstes internationales Spielfilm-Team überhaupt in Grönland bei bis zu 40 Grad unter Null.

    Die Belohnung: Szenen, die in traumhaftes blaues Licht getaucht sind, in allen Nuancen von dunkel- bis graublau. "Grönland ist einer der Stars des Films", sagt denn auch Regisseur Bille August, der bereits Eichingers Großproduktion "Das Geisterhaus" inszeniert hat.

    Nach Eichingers Ansicht waren die Strapazen der Dreharbeiten jedoch geradezu erholsam im Vergleich zu den Mühen mit dem Drehbuch selbst. "Das ging an die Grenzen", erklärt der 47jährige Produzent im Rückblick. Aus dem gleichnamigen Bestseller des dänischen Autors Peter Hoeg mit vielen unterschiedlichen Erzählsträngen ein packendes Skript zu machen, habe Nerven gekostet. Das Ergebnis zeige jedoch, daß sich die Arbeit voll gelohnt habe.

    Der deutsch-dänische Film ist ein Thriller der besonderen Art. Der 35-Millionen-Dollar-Streifen entführt in Welten, die nicht zum Kino-Alltag gehören: ins ewige Eis der Arktis und zu skrupellosen Menschenversuchen. Die Freundschaft zwischen der kratzbürstigen Mathematikerin Smilla (Julia Ormond) und ihrem kleinen Wohnungsnachbarn Isaiah (Clipper Miano) beginnt wie viele Freundschaften zwischen Erwachsenen und Kindern: "Kannst Du mir eine Geschichte vorlesen?", fragt der Junge.

    Smilla kann. Doch schon allein die Tatsache, daß sie als Lektüre für den Steppke die komplizierten Formeln des griechischen Mathematikers Euklid auswählt, zeigt, daß sie den Jungen als ihresgleichen betrachtet. Dafür hat sie gute Gründe, denn ihre Lebensgeschichte spiegelt sich im Schicksal des Jungen. Isaiah, der mit seiner Mutter aus der zu Dänemark gehörenden Eis-Insel Grönland in die Hauptstadt Kopenhagen kam, blieb in der Stadt ein Fremder.

    Auch Smillas Mutter ist Grönländerin. Und wie Isaiah fühlt sich die Forscherin in der Weite der Arktis heimischer als in beheizten Wohnzimmern. Von Schneekristallen versteht sie mehr als von den Umgangsregeln der dänischen Gesellschaft, die Grönländer jahrelang als Menschen zweiter Klasse betrachtete.

    Eines Tages ist der kleine Junge tot. Er stürzt wenige Tage vor Weihnachten vom Dach des Mietshauses. Die Polizei hakt das Unglück als tragischen Unfall ab. Doch Smilla glaubt an Mord. Die Jagd nach dem Mörder führt sie auf die Spur einer geheimnisvollen Arktis-Expedition. 1966 war ein Team von Wissenschaftlern und Ärzten zusammen mit einheimischen Grönländern im ewigen Eis unterwegs. Ein Teil der Männer stirbt dabei an einer geheimnisvollen Krankheit, darunter Isaiahs Vater.

    Immer wieder stößt Smilla bei ihren Ermittlungen auf den renommierten Mediziner Loyen (Tom Wilkinson) und den Geschäftsmann Tork (Richard Harris), bis sie schließlich auf Torks Schiff "Kronos" anheuert. Die "Kronos" mit ihrem spielsüchtigen Kapitän Lukas (Mario Adorf) ist unterwegs ins grönländische Eis, wo Smilla alle Rätsel löst.

    Bei "Fräulein Smilla" bleibt - wie bei allen anderen Literaturverfilmungen auch - die Frage: Wird der Film dem Buch gerecht? Manche Leser werden sicherlich kritisch anmerken, daß Julia Ormonds ebenmäßige Züge viel zu schön seien für die Darstellung der unkonventionellen Smilla. Und sie werden vor allem bemängeln, daß von der Gesellschaftskritik im Buch in bezug auf Dänemarks unrühmlicher Behandlung grönländischer Eskimos nur wenig übriggeblieben sei.

    Gegen diese Kritik ist Eichinger gewappnet. "Dann hätten wir einen Dokumentarfilm machen müssen", sagt er. Statt dessen habe die Produktion den politischen Aspekt in der Figur Smilla auf eine persönliche Ebene gebracht. Denn im großen Kino gehe es nicht darum, Fakten zu zeigen, sondern um das Gegenteil: um "Dinge über Gefühle zu erzählen".

    Von AP-Korrespondentin Stefanie Kreiß

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