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  • Kritik: Ein amerikanisches Mauerblümchen wird hoffähig

    Mia Thermopolis ist ein Trampel. Die 15-jährige Schülerin in San Francisco kleidet sich unvorteilhaft, macht rein gar nichts aus ihrer dunklen Haarpracht und verunstaltet sich obendrein noch das nette Gesicht mit einer dicken Hornbrille.

    Natürlich wird sie keineswegs von den Jungs umschwärmt, und die erbarmungslosen Geschlechtsgenossinnen verspotten die Tochter der allein erziehenden Künstlerin Helen. Immerhin hat Mia in der intelligenten Lilly eine gute Freundin, eine Katze und diese wirklich verständnisvolle Mutter.

    Wundersame Verwandlung von Mia

    Bald aber eröffnen sich atemberaubende Perspektiven für das unscheinbare Mauerblümchen, das sich überdies chancenlos in den begehrtesten Jüngling der High-School verguckt hat. Denn plötzlich tritt in das Leben von Mia ihre bislang völlig unbekannte Oma, Mutter der folgenreichen Jugendliebe Helens. Diese galt dem Thronfolger eines europäischen Operettenstaates, der für seine Regentschaft auf das Eheglück mit Helen verzichten musste. Doch nun ist er tödlich verunglückt, die Nachfolgefrage muss geklärt werden.

    Deshalb ist Königin Clarisse Renaldi nach San Francisco gekommen: Denn niemand anderes als die ahnungslose Mia soll künftig das Zepter in einem fernen Winkel des alten Kontinents schwingen. Für das störrische US-Girl ist bald klar: Das kommt nicht in Frage. Doch die königliche Großmutter lässt nicht so leicht von ihrer Absicht los, aus dem hässlichen Entlein eine würdevolle Regentin zu machen. Und dass alles doch in die von Clarisse gewünschten Bahnen kommt, daran hat ihr lebenskluger Chauffeur Joe nicht unwesentlichen Anteil. Nun also beginnt die wundersame Verwandlung von Mia, und aus dem Trampel wird tatsächlich eine strahlende Schönheit.

    Perfekte, aber belanglose Kinoware

    Es gibt keinen Zweifel: Wir befinden uns im Reich von Garry Marshall, Hollywoods bewährtem Märchenonkel. Der Schöpfer des Welthits "Pretty Woman" ist mit seinem neuen Film "Plötzlich Prinzessin", der ab dem 20. Dezember in die Kinos kommt, dem Erfolgsrezept treu geblieben, sich nicht um Realität und Glaubwürdigkeit zu scheren, wenn es gilt, die Massen vor die Leinwand zu locken. Marshall macht ungeniert Illusionskino für zwei Stunden jenseits des Alltags. Das allerdings macht er ziemlich perfekt. Zwar hat er in seinem neuen Film keine Julia Roberts wie weiland bei "Pretty Woman" im Angebot, sondern die Kinodebütantin Anne Hathaway. Die ist nett und begabt, aber wird wohl kein Superstar.

    Doch was der jungen Hauptdarstellerin fehlt, nämlich Charisma und unaufgesetzter Charme, hat die wesentlich ältere Julie Andrews als Königin Clarisse im beglückenden Überfluss. Die Britin, die bereits 1964 für ihre Leistung in "Mary Poppins" den Oscar gewann, spielt überragend souverän eine Frau von Stil und Haltung, aber auch mit Herz. In jeder Szene mit Andrews ist ihre Herkunft aus einem Land mit royalistischer Tradition zu spüren, und eine Königin der Bühnen in London oder New York ist Andrews ohnehin schon lange Jahre.

    Völlige inhaltliche Belanglosigkeit

    Neben einem solchen Großkaliber kann es eine Anfängerin wie Hathaway nicht leicht haben, zumal der Regisseur allzu penetrant eine Roberts-Kopie aus ihr zu machen versucht. Selbstverständlich ist auch in diesem Marshall-Film wieder der schon legendäre Hector Elizondo samt Halbglatze und Lenin-Bart mit von der Partie. Und wie immer, diesmal als Chauffeur Joe, spielt er den guten Geist im Hintergrund. Wer perfekt gemachtes Unterhaltungskino sucht und sich nicht an der völligen inhaltlichen Belanglosigkeit stört, wird, mit "Plötzlich Prinzessin" ordentlich bedient.

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