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  • Kritik: Ehrliches Erzählkino

    Mit «Kroko» gelang Regisseurin Sylke Enders ein Überraschungserfolg bei Kritik und Publikum. Ihre Geschichte über den launischen Teenager aus dem rauen Berliner Wedding, der bei der Arbeit mit Behinderten einiges über sich und das Leben lernt, wurde 2004 beim Deutschen Filmpreis mit einer Lola in Silber ausgezeichnet.

    Ehrliches Erzählkino und die wunderbare Hauptdarstellerin Franziska Jünger sind auch das Rezept für den zweiten Kinofilm von Sylke Enders. «Hab mich lieb» ist längst nicht so pointiert und witzig wie sein Vorgänger, dank einiger schöner Ideen und trockener Dialoge aber dennoch recht sehenswert.

    Die Handlung spielt im grauen Winter Berlins, in einer realistischen Szenerie, die ohne poppige Farben und Coolness daherkommt: Die Darsteller wohnen nicht in schicken Lofts, sondern in verstaubten, engen Studentenbuden, in denen noch Frühstücksbrettchen statt Designergeschirr auf den Tisch kommen. Es geht um die Freundschaft zwischen der Altenpflegerin Kalli (Jünger) und der transsexuellen Christel (Torsten Schwjck), die im Altenheim zum Tanztee auflegt. Dann taucht in einer Silvesternacht das ehemalige Heimkind Norman (Lennie Burmeister) im Leben der beiden auf. Ein Wechselbad der Gefühle zwischen Liebe, Zurückweisung und Annäherung beginnt.

    Im Laufe des Films besteht das Trio einige Bewährungsproben: ein Hündchen wird erhängt, die widerborstige Kalli kämpft im Altenheim mit nicht minder widerborstigen Senioren, und Christel kann ihrer Umwelt nicht immer klar machen, was es mit ihrer sexuellen Identität auf sich hat. Ein Mann, der halbwegs wie eine Frau aussieht, aber nicht schwul ist: Das stachelt die finsteren Gesellen in der Eckkneipe zur Gewalt an. Kallis schroffe Art, die sehr an «Kroko» erinnert, ist ihr nicht unbedingt hilfreich, sie muss erst einiges lernen, bis sie ihre Freundschaft zu Christel wahren kann.

    Milieu und Figuren sind facettenreich und originell beobachtet, bis hin zu Nebenfiguren wie dem seltsamen Vogel Rainer (Rainer Zipke), der aussieht, als stammten seine Klamotten aus der Altkleidersammlung. Ironie und Sarkasmus spielen in der Geschichte eine große Rolle. So viel Liebe Enders bei der Zeichnung der Figuren verwendet, so sehr hapert es aber stellenweise bei der Dramaturgie. Das letzte Viertel des Films ist zäh geraten, das Ende wirkt etwas linkisch.

    dpa

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