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  • Kritik: "Echter" Indianer-Film

    US-Amerikaner wissen wenig über die Ureinwohner ihres Landes. "Nichts als Klischees, so, als hätte man auch hierzulande nur Karl May gelesen", sagt der indianische Schriftsteller Sherman Alexie vom Stamm der Spokane und Coeur d'Alene Indianer aus dem Nordwesten der USA. Er bemüht sich seit Jahren darum, mit Kurzgeschichten und Romanen ein realistisches Bild des heutigen Stammeslebens zu zeichnen. Und aus eigenen Texten entstand auch Alexies Drehbuch zum Film "Smoke Signals", der in den USA preisgekrönt wurde und nun auch in die deutschen Kinos kommt.

    Der Spielfilm ist eine Premiere: Erstmals sind Autoren, Regisseur und Produzenten allesamt Indianer und arbeiten an einem Projekt, das in der Firma Miramax einen prestigeträchtigen Verleih und damit eine großes Publikum fand. "Smoke Signals" gewann im Januar auf dem von Robert Redford zur Förderung des jungen, unabhängigen US-Kinos gegründeten Sundance-Festival den Zuschauerpreis. Der Film bekam gute Kritiken und spielte in den USA schon fast sieben Millionen Dollar ein, eine passable Summer für eine unabhängige Produktion ohne große Stars.

    Zusammen mit dem New Yorker Regisseur Chris Eyre, einem Cheyenne- Indianer, entwickelte der 31jährige Alexie, der in Seattle (Washington) lebt, sein Drehbuch aus eigenen Kurzgeschichten. Sie erschienen auch in Deutschland unter dem Titel "Regenmacher". "Smoke Signals" schildert eine Reise zweier junger Männer durch den amerikanischen Westen - ein "Road Movie" also. Er beginnt und endet auf der Coeur d'Alene-Reservation im Bundesstaat Idaho. Dort leben die beiden Hauptfiguren, der Geschichtenerzähler Thomas Builds-the- fire und der Draufgängertyp Victor Joseph.

    Die beiden ungleichen Reisekumpane wollen im Bundesstaat Arizona die Asche von Victor Josephs verstorbenem Vater abholen, einem Säufer, der vor langer Zeit seine Familie in Idaho verließ. Der Vater-Sohn-Konflikt ist eine eher herkömmliche Geschichte, aber "Smoke Signals" erzählt diese Geschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive - schließlich wurde Victors Vater nicht zufällig auf einer trostlosen Reservation zum Säufer.

    In "Smoke Signals" wird allerdings nicht lamentiert, sondern entweder nüchtern erzählt oder humorvoll kommentiert. Alexie spielt dabei bewußt mit den Erwartungen eines Publikums, das beim Stichwort "Rauchzeichen" einen typischen Indianerfilm erwartet. Victor Joseph spricht im Film diese Erwartungen an und schildert in einem ironischen Monolog, wie ein "richtiger Indianer" zu sein hat: Stoisch, langhaarig, ein Krieger eben.

    Mit "Smoke Signals" wurde der Schriftsteller Alexie zum Filmemacher, und er arbeitet schon am nächsten Projekt, einem Streifen nach dem selbstverfaßten Krimi "Indian Killer", bei dem er auch erstmals Regie führen wird. Einmal mehr geht es darin um indianisches Leben in den USA - "und so wird es immer sein", verspricht Alexie. "Ich finde alles, was ich für meine Arbeit brauche, in der indianischen Gemeinschaft." Nur verläßt er diesmal das Reservationsland und verlegt seine Handlung an einen Ort, der für viele US-Indianer ebenfalls längst Heimat ist: Die Großstadt.

    Tilman Streif, dpa

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