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  • Kritik: Eastwoods Kritik am Krieg

    Clint Eastwood hat trotz seines hohen Alters die US-Filmkritiker mit seinem neuen Film «Flags of Our Fathers» in Erstaunen versetzt: Die graue Ikone sage Wichtiges über den Krieg und Männer, die kämpfen, schrieb etwa die «New York Times».

    Einige überschlugen sich mit Lob für den 76-Jährigen, der hier als sozialkritischer Regisseur und neben Steven Spielberg als Produzent und zugleich als Filmkomponist auftritt. «The Hollywood Reporter» spricht von einem «brillanten» Werk. Doch ist diese Story um sechs Fahnenhisser im Zweiten Weltkrieg vor allem eines: Krieg als Unterhaltungskino, das an Brutalität Spielbergs «Der Soldat James Ryan» (1998) in nichts nachsteht (ab 12 Jahre).

    Eastwoods Sequenzen vom Sturm auf die japanische Garnisonsinsel Iwo Jima im Februar 1945 - der blutigsten Schlacht im Südpazifik mit tausenden Toten - erinnern stark an Spielbergs Szenen von der Landung der Alliierten in der Normandie. Auch Eastwood zeigt abgetrennte Köpfe, qualvolles Sterben und das ganze gnadenlose Kampfgeschehen. Ausgewaschen sind die Farben - fast schwarz-weiß, so dass das Ozeanwasser manchmal fast wie ein Meer aus Blut aussieht. Die Kamera geht mal dicht an den Soldaten im Kugelhagel in Deckung, mal schaut sie dem Geschehen aus der Vogelperspektive zu.

    Diese Szenen sind eingewebt in eine Filmstruktur aus drei Zeitebenen, die zwar etwas Gewöhnung benötigt, die der zweifache Oscar-Preisträger («Erbarmungslos» (1992) und «Million Dollar Baby» (2004)) aber souverän durchhält - auch dank des disziplinierten Schnitts von Joel Cox. Zentrales Thema ist ein Agenturfoto des 2006 gestorbenen Joe Rosenthal, das zeigt, wie sechs US-Soldaten auf dem Berg der Insel die US-Flagge hissen. Ob das Foto echt oder inszeniert ist, beschäftigte damals einige Medien - der Film geht darauf ein. Doch vor allem brannte sich das Motiv ins Gedächtnis der Amerikaner als Siegessymbol ein, das Mütter hoffen ließ - es wurde auf Briefmarken, Postern und in Zeitungen veröffentlicht.

    «Wenn du ein Bild kriegst, ein richtiges, dann kannst du einen Krieg gewinnen», sagt ein Veteran in dem Film. Das Bild soll helfen, die Finanzierung des Krieges wieder in Gang zu bringen. Politiker holen die drei überlebenden Fahnenhisser vom Schlachtfeld. Es beginnt eine groteske Spendentournee durch die Vereinigten Staaten. Krieg wird zum Showgeschäft, in dem es nicht um Wahrheiten, sondern um Mythen geht. Sie alle spielen ihre Heldenrolle: Der Sanitäter John Bradley (Ryan Philippe) - dessen Sohn das Buch als Vorlage für den Film lieferte -, der scheue Indianer Ira Hayes und der eitle Kriegskurier Rene Gagnon (Jesse Bradford), der nie kämpfen musste und sich von dem Rummel eine glanzvolle Zukunft verspricht.

    Vor allem Hayes zerbricht an den grauenvollen Erinnerungen an das Schlachtfeld - Adam Beach («Smoke Signals») spielt den wegen seiner Herkunft immer wieder rassistisch angefeindeten und gar nicht trinkfesten Indianer mit einem Niveau, das dem Film gut bekommt. An der Seite von Beach gibt auch ein schön zurückhaltender Philippe («Eiskalte Engel») als Erzähler den gut zwei Stunden inneren Halt.

    In Eastwoods Geschichte bricht der alte Bradley am Anfang zusammen und berichtet schließlich, was er - wie viele seiner Kriegskameraden - für unaussprechlich hielt. So erzählt Eastwood auch vom Wunsch vieler Kinder, die Geschichte ihrer Väter zu erfahren, und appelliert an die Alten zu reden. «In meinen Filmen geht es nicht um Sieg oder Niederlage, es geht um das, was der Krieg in den Menschen anrichtet, es geht um jene, die zu früh sterben», sagt Eastwood. Dabei kratzt der stets von Gewalt faszinierte Hollywood-Veteran viel von der dicken Oberflächlichkeit anderer Kriegsfilme weg, ohne auf den historischen Grund zu gelangen. In seinem nächsten Film betrachtet Eastwood die Invasion aus japanischer Sicht - «Letters from Iwo Jima» (Briefe aus Iwo Jima) soll in diesem Jahr in die US-Kinos kommen.

    Ulf Mauder, dpa

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