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  • Kritik: Dustin Hoffman in Bestform

    Harold Crick ist ein armes Würstchen. Der farblose Steuerbeamte muss in dem Film «Schräger als Fiktion» erleben, dass das wahre Leben noch abgefahrener ist, als es sich Geschichtenerzähler ausdenken können.

    So einfallslos der Filmtitel auch ist, dahinter verbirgt sich ein schönes Amüsier-Stück mit Stars, die ihre Spielfreude dank Regisseur Marc Forster («Monster's Ball») voll entfalten können. Der in Deutschland geborene Forster setzt die Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und Emma Thompson neben Will Ferrell und Maggie Gyllenhaal virtuos in Szene. Und er erreicht, dass die Figuren mit ihren Marotten greifbar werden.

    Mit Ausnahme von Queen Latifah in der Rolle als Verlagsmitarbeiterin lässt sich keine andere Besetzung wünschen. Dass Zach Helm in seinem Drehbuch für sein Kino-Debüt die verschrobenen Charaktere manchmal etwas überzeichnet, tut dem heiteren Stoff mit ernsten Untertönen und fein gestalteten Dialogen nicht weh. Ferrell («Buddy - der Weihnachtself») spielt den Finanzbeamten Crick, der sein Leben mit mathematischer Präzision berechnet, bis er eines Tages beim Zähneputzen eine Stimme hört.

    Nichts ist mehr wie es war. Eine Psychologin kann ihm nicht helfen. Doch bei dem schrulligen Literaturprofessor Jules Hilbert (Dustin Hoffman, «Rain Man») wird Crick fündig. Crick hört die Stimme der Schriftstellerin Karen Eiffel, die seit zehn Jahren an ihrem neuen Roman arbeitet und einfach keinen passenden Tod für ihren Helden finden kann.

    Eiffels Figur heißt und ist wie Harold Crick. Was sie schreibt, erlebt der echte Steuerbeamte. Und als Crick dies klar wird, weiß er, dass sein Leben schon bald zu Ende geht. Eiffels Spezialität ist das Tragische: Sie lässt ihre Protagonisten immer dann sterben, wenn sie am glücklichsten sind. Und Crick ist hier der schönen und kecken Keksbäckerin Ana (Maggie Gyllenhaal) auf der Spur, die in ihrem Café systematisch Steuern unterschlägt. Er erliegt dem märchenhaften Charme der Steuersünderin, beide verlieben sich ineinander, und Harold bricht aus seinem zwanghaften Leben aus.

    Auf der Leinwand wird dieser Ausbruch besonders deutlich, als die visuellen Spielereien - das sind Striche, Koordinaten, Nummern, Grafiken, die Cricks Besessenheit vom Rechnen ausdrücken sollen - um ihn herum verschwinden. Solche Tricks sind zwar ebenso wenig neu wie die Geschichten vom allwissenden Erzähler. Das Thema der Lenkung und Bestimmung eines Menschenlebens von außen ist hier wie schon bei der «Truman Show» auf die Spitze getrieben. Was hier aber vor allem aufgeht: Die Story gerät trotz vieler Stolpersteine in 113 Minuten nie ins Stocken. Sie hält eine feine Balance zwischen der Geschichte der beinahe wahnsinnigen und schreibblockierten Schriftstellerin und dem Leben des Harold Crick.

    Thompson («Wiedersehen in Howards End») spielt die bis zum äußersten entschlossene Autorin mit solcher Bannkraft, dass sich mancher noch mehr Szenen mit ihr wünschte. Und Ferrell zeigt, dass er auch ernste Töne beherrscht. Am Ende gelingt Eiffel das Meisterwerk, Professor Hilbert schwebt über Cricks famosen Tod im siebten Himmel der Literaturkritik, und selbst Crick will nun lieber einen Tod als literarischer Held sterben. Doch der Untertitel des Films verrät es (leider) schon: «Harold Crick verdient ein Happy End. Punkt.»

    Ulf Mauder, dpa

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